Wilkie Collins - Logo - Klicken, um Navigationsmenü einzublenden

Das Leben seiner Eltern bis zu Wilkies Geburt

Seine Mutter Harriet Geddes

Zu Text über seinen VaterZu Text über seine Eltern Text als MP3-Datei anhören(2,2 MB) Harriet Collins geb. Geddes war die älteste Tochter eines Armeeoffiziers, Alexander William Reynold Geddes. Er war schottischer Abstammung, wuchs aber in London auf. Seine Mutter starb, als er noch ein Kind war. 1780 trat er im Alter von 16 Jahren in die Armee mit dem Rang eines Fähnrichs (Ensign) ein und diente einige Jahre in Kanada. Seine Beförderung zum Leutnant erhielt er 1783. 1789 kehrte er nach England zurück und als er in Salisbury dabei war, neue Rekruten zu suchen, traf er dort Harriet Easton, die Tochter des dort ansässigen Stadtrats James Easton. Noch im selben Jahr heirateten sie, obwohl ihr Vermögen und das ihrer Eltern gering waren.

Bild von Stonehenge, nicht weit entfernt von Salisbury

Ihre älteste Tochter Harriet wurde am 27.7.1790 in Salisbury geboren und dort in der St.-Thomas-Church getauft. Nach Harriet kamen noch fünf weitere Kinder auf die Welt, vier Mädchen und ein Junge. Einige Jahre nach Harriets Geburt trat Leutnant Geddes auf das Drängen seiner Frau hin aus der Armee aus und die Familie ließ sich auf einem Hof nieder, der zur Lordschaft Radnor bei Alderbury gehörte, drei Meilen südlich von Salisbury gelegen. Leutnant Geddes und seine Frau machten sich Sorgen, wie sie alle vier Töchter verheiratet bekommen sollten.

Harriet wollte eigentlich Schauspielerin werden, aber der Ruf, den die Schauspieler zu dieser Zeit hatten, war nicht viel besser als der der Prostituierten. Gerade noch rechtzeitig wurde sie von einem evangelischen Priester und seiner Frau "gerettet", die sie zur Gouvernante ausbildeten. 1814 entdeckte sie ihre Berufung zur Lehrerin, als sie einen Job in einer Schule beim Portman Square in London annahm. Harriet war eine sehr gute Lehrerin, aber die französische Rektorin der Schule bezahlte sie mit einem mageren Lohn, den sie die ersten Monate überhaupt nicht erhielt und neun Monate später war die Eigentümerin der Schule bankrott. Doch zu dieser Zeit traf sie William Collins.

Sein Vater William Collins

Bild der Royal Academy, Burlington House

Zu Text über seine Eltern Text als MP3-Datei anhören(1,7 MB) Sein Vater William Collins wurde als Sohn eines irischen Buchhändlers am 17. September 1788 in London geboren. Er hatte einen jüngeren Bruder namens Francis. William war in der Schule nicht gerade aufmerksam, oft bekam er Ärger, da er seine Lektionen nicht ordentlich lernte, aber schon als Junge versprach er, ein guter Maler zu werden. Sein Vater engagierte deswegen Morland für ihn. Da Williams Familie arm war, hoffte er mit dem Idealismus eines Kindes, die Familie mit seinen Bildern aus der Armut herauszuziehen. Wohin er auch ging, nahm er einen Zeichenblock mit, da es immer möglich war, dass er auf etwas stoßen könnte, das er zeichnen musste.

Sein Vater war stolz auf ihn und unterstützte ihn, wo er nur konnte. Er hoffte, dass sein Sohn Mitglied der Royal Academy of Art (siehe Bild) werden würde. Diese Hoffnung sollte sich auch bald erfüllen: 1807 wurde William zur Royal Academy School zugelassen und bereits 1807 hingen zwei Landschaftsgemälde von ihm in der Academy Summer Exhibition. 1809 bekam er für seine Leistungen eine Silbermedaille. Doch sein Vater sollte nicht mehr die Wahl seines Sohnes zum Mitglied der R.A. mitansehen können: 1812 starb sein Vater und hinterließ ein bankrottes Geschäft. Der Kredit, der auf das Haus der Collins aufgenommen worden war, hatte noch eine gewisse Restlaufzeit, doch mussten aufgrund der Finanzlage etliche Möbel verkauft werden. An den Verkaufspreisen der Bilder, die William Collins während dieser finanziell schwierigen Zeit veräußerte, sieht man, wie nötig er Geld brauchte, ansonsten hätte er sie wesentlich teurer verkaufen können.

Seine Eltern

Text als MP3-Datei anhören(2,2 MB) In den folgenden 10 Jahren nach dem Tod seines Vaters festigte William Collins seinen Ruf als angesehener Landschaftsmaler, doch von der finanziellen Seite her gesehen war an Heirat noch nicht zu denken. 1814 wurde er dann zum Mitglied der R.A. gewählt und wurde 1820 ein vollwertiges Mitglied. Um 1814 herum traf er dann auch Harriet Geddes zum ersten Mal auf einem Künstlerball. Obwohl sie sich fast sofort zueinander hingezogen fühlten, war William nicht bereit, zu heiraten. Der Grund dafür war, dass seine männlichen Vorfahren  zahlreichen finanziellen Schwierigkeiten aufgrund vorschneller Heiraten ausgesetzt waren und er versuchte, dies nicht zu wiederholen. Harriet, die lieber jede Mark sparen wollte, war sehr traurig darüber und hielt es für eine Art von Künstlerstolz.

Ausstellung in der Royal Academy

In der damaligen Zeit war ein Maler abhängig von privaten Geldgebern und brauchte deshalb einen guten Ruf, damit Adlige oder die zu dieser Zeit immer reicher werdende Bürgerklasse ihn engagierten. Nach 1818 besserten sich Williams finanzielle Verhältnisse erheblich, vor allem aufgrund seiner neuen Beziehungen zu Adligen, denen er von Personen desselben Standes empfohlen worden war. 1822 traf er Harriet im Haus ihrer Schwester wieder. Ihre Gefühle füreinander hatten sich nicht geändert. Die letzten acht Jahre hatten sie sich Briefe geschrieben und sich zweimal gesehen, jedoch nur kurz. Die Briefe, die William Harriet schrieb, zeugen davon, dass William heftig in sie verliebt war. Im Haus ihrer Schwester also lud er sie ins Theater ein, wo er sie um ihre Hand bat. William wusste, dass seine Mutter dagegen sein würde und entschied daher, ihr nichts davon zu sagen, bis sie verheiratet wären. Am 16.9.1822 wurden sie in Edinburgh in der English Episcopal Chapel getraut. Harriet war damit einverstanden, mit ihm zusammen bei seiner Mutter zu wohnen, um Geld zu sparen. Am 8.1.1824 wurde dann ihr erstes Kind geboren: William Wilkie Collins.


Quellen:
Hans Sehlbach, Untersuchungen über die Romankunst von Wilkie Collins
Catherine Peters, The King Of Inventors
Bilder der Royal Academy mit freundlicher Genehmigung von www.londonancestor.com