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Biograph und Konspirator

Text als MP3-Datei anhören(5,3 MB) 1846 war William Collins bereits seit geraumer Zeit krank und er ahnte, daß sein Ende nahte. Er unternahm einen weiteren Versuch, Wilkie eine Laufbahn zu ermöglichen, die ihm seinen Lebensunterhalt sichern sollte. Im Mai 1846 wurde Wilkie als Student am Lincolns Inn zugelassen. Hier sollte er den Beruf des Barristers, eines Anwalts, studieren. Wilkie interessierte sich vor allem für die verschiedenen Winkelzüge und Wirrungen des Gesetzes, besuchte auch die Vorlesungen, aber es schien dennoch nicht seine Berufung zu sein. Bereits vor seinem Studium hatte er mit der Arbeit an seinem Roman Antonina - oder der Fall von Rom begonnen.

Er studierte nun fast ein Jahr und hatte von seinem historischen Roman bereits über die Hälfte geschrieben, als sein Vater am 17. Februar 1847 starb. Nach dessen Tod setzte er die Arbeit an Antonina aus, um, wie er seinem Vater versprochen hatte, dessen Biographie zu schreiben. Das Schreiben ging ihm hierbei leicht von der Hand, die Quellen des Buches sind vor allem die Tagebuchaufschriebe seines Vaters und die von ihm gemalten Bilder. In den Memoirs of William Collins, R.A. beschreibt Wilkie Collins sämtliche von seinem Vater gemalten Bilder, welche meist Landschaftsbilder waren, in allen Details. Dies kam ihm später sicherlich zugute, als er in seinen Romanen die Schauplätze beschrieb, in denen sich die Handlungen seiner Romanfiguren zutrugen.

Bild von Paris - zu Wilkies Zeiten stand noch kein Eiffelturm (erst 1889)

Ende Juli 1847 unterbrach er seine Arbeit an der Biographie für eine Weile und unternahm mit Charles Ward eine kurze Reise in die Normandie. Die Normandie schien sie zu enttäuschen, denn sie fanden sich zehn Tage später in Paris wieder. Wilkies Mutter hatte ihren Sohn bereits eindringlich vor Paris gewarnt und wieder endete Wilkies Aufenthalt dort in finanziellen Schwierigkeiten. Da Wilkie von seiner Mutter kein Geld erhielt, mußte er an Ward, der bereits schon vorher nach England zurückgekehrt war, telegraphieren und diesen um Geld bitten. In seinen Briefen beklagt er sich darüber, daß Schuhe für seine kleinen Füße in Frankreich einen Haufen Geld kosteten, um die hohen Ausgaben zu rechtfertigen.

Im November 1848 wurde die Biographie in 2 Bänden von Longmans, Brown, Green and Longmans veröffentlicht. Das Buch war für einen 24jährigen Mann ein großer Erfolg und erhielt sehr gute Kritiken. Dieser Erfolg bestätigte Wilkie wahrscheinlich in seinem wenn vielleicht noch wankenden Entschluß, sich im späteren Leben als Schriftsteller zu verdingen.

Er setzte sein Studium dennoch fort, wenn auch nicht mit so großem Enthusiasmus wie in den ersten sechs Wochen, wie er später bekannte. 1848 sollte für ihn eine Gelegenheit bereithalten, sein erlerntes Wissen anzuwenden: Edward Ward, der Bruder von Charles Ward, mit dem Collins Frankreich besucht hatte, hatte sich in ein Mädchen verliebt, welches im Alter von zehn oder elf Jahren seine Schülerin wurde. Dieses Mädchen namens Henrietta Ward (der Nachname war ein Zufall, sie waren keineswegs verwandt) war vierzehn Jahre alt, als Edward und sie sich verlobten. Ihre Eltern stimmten zuerst zu, daß die Heirat stattfinden könnte, wenn sie sechzehn geworden wäre, aber zogen dann ihr Zugeständnis wieder zurück.

Wilkie, der solche Widerstände nicht leiden konnte und eine Faszination für Heiratsintrigen hatte, wälzte seine Jurabücher und stellte einen Plan für eine heimliche Hochzeit auf, in dem auch Charles Collins und Jane Ward eine Aufgabe übernahmen. Wilkie wußte, daß man unter 21 immer die Zustimmung der Eltern brauchte, um heiraten zu dürfen, jedoch fand er eine Gesetzeslücke, die es den beiden ermöglichte, ein Paar zu werden. Die Heirat wurde damit zwar gültig, aber dennoch war sie illegal, was Edward Ward eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren androhte. Sie gingen das Risiko ein und heirateten am 4. Mai 1848. Wilkie ersetzte bei der anschließend geheimgehaltenen Zeremonie den Brautvater. Erst drei Monate später brannte das Ehepaar von daheim durch und verbrachte die Flitterwochen, welche sie dann im nächsten Jahr dazu veranlassten, Wilkie als Pate für ihr erstes Kind Alice zu verpflichten.

Wilkie und Edward Ward teilten eine gemeinsame Leidenschaft für Amateurtheater, die sie selbst inszenierten und bei denen sie mitspielten. Diese Theatersitzungen fanden immer bei Ward statt. Das erste Theaterstück, bei dem Wilkie mitspielte, war A court duel am 26. Februar 1850, das er selbst aus dem Französischen adaptiert hatte.

Vielleicht auch aufgrund der erfolgreichen Heiratskonspiration dachte er im August 1850 kurze Zeit darüber nach, als Anwalt zu praktizieren, aber er hatte bald begriffen, daß er seinen Lebensunterhalt auf weit angenehmere Art und Weise verdienen konnte. Im Jahr 1850 wurde auch sein erster Roman Antonina - oder Der Fall Roms veröffentlicht, für den er Bulwer-Lyttons Romans Die letzten Tage von Pompeji als Vorlage verwandte. Durch diese Veröffentlichung, welche ihm auch zu einigem Ruf verhalf, schien sein Entschluß, Schriftsteller zu werden, endgültig festzustehen. 1851 beendete er sein Studium, praktizierte später jedoch nie als Anwalt, obwohl einige Rechtsvertreter in seinen Romanen vorkommen.

Quellen:
Hans Sehlbach, Untersuchungen über die Romankunst von Wilkie Collins
Catherine Peters, The King Of Inventors
Kenneth Robinson, Wilkie Collins A Biography By