Deutsche Wilkie Collins Fanpage - Die Neue Magdalena - Mablethorpe-House - Der böse Dämon
 

Die Neue Magdalena - Buch 2

Kapitel 14

Der böse Dämon

Nachdem sich Mercy von dem ersten übermannenden Schreck über diesen unerwarteten Anblick erholt hatte, wollte sie rasch auf sie zueilen und ihre Verzeihung erflehen. Allein Grace hielt sie mit einer drohenden Handbewegung zurück. „Kommen Sie mir nicht in die Nähe”, sagte sie verächtlich in befehlendem Tone. „Bleiben Sie dort stehen!”

Mercy war betroffen; auf ein solches Entgegenkommen von Seite Gracens war sie nicht vorbereitet. Sie fasste die Lehne eines Stuhles, der neben ihr stand, um nicht umzusinken. Grace fuhr in demselben gebieterischen Tone fort:

„Ich erlaube Ihnen nicht, sich in meiner Gegenwart hier zu setzen. Sie haben überhaupt kein Recht, in diesem Hause zu sein. Vergessen Sie denn, wer Sie sind und wer ich bin?”

Diese Worte an und für sich waren schon im höchsten Grade beleidigend. Der Ton, in welchem sie gesprochen wurden, trieb Mercy das Blut in die Wangen. Sie erhob trotzig den Kopf und war im Begriffe, zornig etwas zu erwidern. Doch sie bezwang sich; Julian Gray fiel ihr ein, und seines in in sie gesetzten Vertrauens wollte sie sich würdig zeigen. Ihm zu Liebe wollte sie von Grace, die von ihr betrogen worden war, jede Schmähung geduldig ertragen.

So blieb sie ruhig und ergeben stehen. Schweigend sahen sie einander an - zum erstenmale wieder waren sie beide allein seit ihrer Begegnung in dem französischen Häuschen. Welcher Gegensatz damals, wie sie sich jetzt gegenüber traten. Grace Roseberry saß in ihrem Stuhl; klein und unscheinbar, die harten, drohenden Züge von krankhafter Blässe bedeckt und die abgezehrte Gestalt in ärmliche, schwarze Kleider gehüllt, sah sie neben Mercy Merrick verkommen aus, als gehörte sie den untersten Klassen der Gesellschaft an. Mercys große, schöne Gestalt stand in reichem Seidenkleide hoch aufgerichtet vor ihr; sie neigte anmutig den Kopf in sanfter Ergebung; eine vollendete Schönheit, deren Anblick ein Vorrecht, die bewundern zu dürfen eine Auszeichnung schien. Hätte ein Fremder unter diesen beiden Erscheinungen - welche ihre romanhaften Rollen im wirklichen Leben abgespielt - raten sollen, welche die wahre Verwandte der Lady Janet Roy sei, und welche die Betrügerin, die es versucht, sich in die Stelle der anderen einzuschleichen - er hätte, ohne sich zu besinnen, Grace für die letztere und Mercy für die erstere erklärt.

Grace brach zuerst das Schweigen, nachdem sie ihr Opfer vorher mit verächtlichen Blicken vom Kopf bis zum Fuße gemessen hatte.

„Bleiben Sie da stehen. Ich sehe Sie mir gerne an”, sagte sie mit boshaftem Wohlbehagen. „Jetzt hilft Ihnen kein Ohnmächtigwerden. Jetzt ist keine Lady Janet Roy in der Nähe, um Sie zu laben, und auch keine Herren, um Sie aufzuheben. Mercy Merrick, endlich habe ich dich! Gott sei Dank dafür. Jetzt ist die Reihe an mir. Du entkommst mir nun nicht mehr!”

All die Kleinlichkeit des Herzens und des Verstandes, mit welcher Grace damals im französischen Häuschen Mercys traurige Lebensgeschichte angehört und aufgenommen hatte, trat auch jetzt hervor. Sie hatte damals die leidende und reumütige Sünderin von sich gestoßen, anstatt ihr hilfreich die Hand zu bieten; jetzt rächte sie sich für die erlittene Unbill mit wilder, erbarmungsloser Schadenfreude. Mercy antwortete ihr geduldig mit weicher, gedämpfter Stimme:

„Ich bin Ihnen durchaus nicht ausgewichen”, sagte sie. „Hätte ich gewusst, dass Sie hier im Hause sind, ich wäre von selbst zu Ihnen gekommen; denn es ist mein innigster Wunsch, Ihnen zu bekennen, dass ich mich so schwer gegen Sie versündigt habe, und alles tun will, um meine Schuld zu sühnen. Das Verlangen, Ihre Verzeihung zu gewinnen, ist zu mächtig in mir, als dass Ihr Anblick mich hätte erschrecken können.”

Sie sprach diese versöhnlichen Worte einfach und würdevoll; Grace Roseberry geriet jedoch dadurch in Wut.

„Wie können Sie es wagen, mich wie Ihresgleichen zu behandeln?” brach sie aus. „Sie benehmen sich ganz, als ob Sie hier in Ihrem Rechte wären, Sie Nichtswürdige! Das ist mein Platz hier - und was muss ich tun? Ich muss in dem Garten hin und her laufen, um von den Dienstleuten nicht erwischt zu werden, muss mich wie eine Diebin verstecken und wie eine Bettlerin draußen warten. Und warum alles das? Bloß, damit ich ein Wort mit Ihnen reden kann. Ja, mit Ihnen, der Zuchthäuslerin, der Straßendirne!”

Mercy ließ den Kopf noch tiefer sinken; zitternd hielt sich ihre Hand an der Stuhllehne fest.

Sie konnte die Schmähungen kaum ertragen. Allein Julian schwebte ihr vor und sie ertrug sie. Geduldig antwortete sie:

„Wenn es Ihnen Vergnügen macht, mich so schwer zu kränken - ich habe freilich kein Recht, mich dagegen aufzulehnen.”

„Sie haben überhaupt kein Recht!” gab Grace zurück. „Nichts gehört Ihnen, nicht einmal das Kleid, das Sie tragen. Sehen Sie sich an und dann mich?” Dabei flog ihr wilder, stierer Blick über das kostbare Seidenkleid, welches Mercy trug. „Von wem haben Sie dies Kleid, dieses Geschmeide? Alles von Lady Janet, ich weiß es. Sie schenkte es Grace Roseberry. Die sind Sie nicht. Das Kleid, die Armbänder, alles gehört mir; sie waren für mich bestimmt.”

„Sie werden sie sehr bald bekommen, Miss Roseberry; ich trage sie nicht mehr lange.”

„Was soll das heißen?”

„Sie sind zwar grausam gegen mich, allein meine Pflicht gebietet es, den Schaden, den ich verursacht, wieder gut zu machen. Ich will und werde - die Wahrheit bekennen.”

Grace lachte höhnisch.

„Sie wollen die Wahrheit bekennen!” sagte sie. „Meinen Sie, ich bin die Närrin, die dies glaubt? Sie sind nichts als eine schändliche, unverschämte Lügnerin von Anfang bis zu Ende! Sie sollten aus freiem Antrieb ihre Kleider, Ihre Kostbarkeiten, Ihre Stellung hier im Hause - Sie sollten alles aufgeben und in das Besserungshause zurückkehren? Nein, Sie tun das nicht - Sie nicht!”

Über Mercys Gesicht zog allmählich eine leise Röte; doch sie hielt sich zurück; Julians veredelnder Einfluss wirkte noch in ihr fort; bis jetzt konnte sie noch zu sich selber sagen: „Lieber alles andere, als Julian Gray täuschen!” Seine Worte hatten ihr den Mut und die Kraft verliehen, ihre jetzigen Qualen geduldig zu ertragen; aber an einem zeigte es sich, welche Mühe sie dies kostete; sie unterwarf sich schweigend - ruhig zu sprechen, war sie nicht mehr im Stande.

Gerade dies stumme Dulden reizte Grace Roseberry aufs äußerste.

„Sie werden die Wahrheit nicht bekennen”, fuhr sie fort. „Sie hätten es eine volle Woche hindurch tun können und Sie haben es nicht getan. Nein, nein! Sie sind eine von denjenigen, die bis zum letzten Augenblicke lügen und betrügen. Um so besser, dann kann ich Sie vor dem ganzen Hause bloßstellen. Man wird mich dafür preisen, dass ich die Veranlassung war, Sie dorthin zurückzustoßen, woher Sie gekommen - in die Straßen. O! Beinahe alle erlittene Unbill könnte ich über der Lust vergessen, mit welcher ich Sie am Arme eines Polizisten, den höhnenden, schreienden Pöbel hinterdrein, in das Gefängnis führen sehe!”

Das war zu viel; eine solche Beschimpfung konnte sie nicht mehr ertragen. Sie musste sich gegen ihre Quälerein wehren.

„Miss Roseberry” sagte sie, „ich habe bisher ohne Murren jede Kränkung von Ihnen ertragen. Ersparen Sie mir jetzt jede fernere Beleidigung. Ich wiederhole es Ihnen abermals und abermals, Ihnen soll Ihr Recht werden. Es ist mein fester Entschluss - ich will alles bekennen!”

Ihre Stimme zitterte, als sie diese Worte sprach. Grace blickte sie, ungläubig lächelnd, mit unsäglicher Verachtung an.

„Sie brauchen nur nach der Glocke zu greifen”, sagte sie, „ziehen Sie daran.”

Mercy war sprachlos vor Überraschung; sie verstand sie nicht.

„Sie sind eine vollendete Büßerin - Sie können es nicht erwarten, die Wahrheit zu bekennen”, fuhr die andere fort. „Gut, so bekennen Sie vor aller Welt und auf der Stelle. Rufen Sie nur Lady Janet - Mister Gray - Mister Holmcroft - die Dienstleute - rufen Sie sie alle herein; werfen Sie sich in ihrer Gegenwart auf die Knie und erklären Sie sich selbst als eine Betrügerin. Dann glaube ich Ihnen - aber früher nicht.”

„Treiben Sie mich nicht so weit, dass ich Ihre Feindin werde!” rief Mercy beschwörend.

„Was liegt mir daran, ob Sie meine Feindin sind oder nicht.”

„Treiben Sie es nicht weiter - o, tun Sie es nicht - um Ihrer selbst willen.”

„Um meiner selbst willen? Sie Unverschämte! Meinen Sie, mir etwa drohen zu können?”

Die Erregung in Mercy steigerte sich von Augenblick zu Augenblick; ihr Herz pochte immer heftiger, immer glühender brannten ihre Wangen; doch mit einer letzten, verzweifelten Anstrengung bezwang sie sich.

„Haben Sie Erbarmen mit mir!” rief sie flehend. „Ich weiß, ich habe schlecht gehandelt, aber darum bin ich doch noch immer ein Weib wie Sie. Ich kann es nicht über mich gewinnen, meine Schuld vor allen Hausbewohnern aufzudecken. Lady Janet liebt mich wie eine Tochter; Mister Holmcroft soll in einer Woche mein Gatte werden. Ich kann nicht ihnen ins Gesicht sagen, dass ich sie hintergangen habe. Sie sollen es ja trotzdem alle erfahren; heute noch, ich schließe früher kein Auge, sage ich Mister Julian Gray die volle Wahrheit.”

Grace brach in ein lautes Lachen aus. „Aha!” rief sie mit wilder, roher Lustigkeit aus. „Jetzt ist es endlich heraus!”

„Nehmen Sie sich in Acht!” sagte Mercy. „Nehmen Sie sich in Acht!”

„Mister Julian Gray! Ich bin hinter der Billardzimmertür gestanden und habe gehört, wie Sie ihn freundlich einluden, hereinzukommen. O, diesem die Wahrheit zu bekennen, ist für Sie keineswegs fürchterlich; im Gegenteile!”

„Es ist genug, Miss Roseberry! Sprechen Sie nicht weiter. Um Gottes willen, sage ich Ihnen, bringen Sie mich nicht zum äußersten! Sie haben mich lange genug gefoltert.”

„Sie sind nicht umsonst in den Straßen umhergelaufen. Sie wissen sich zu helfen; es ist immer gut, wenn man Vorrat hat. Geht Mister Holmcroft nicht ins Netz, so bleibt Ihnen noch Mister Julian Gray. Ah! Sie machen es wirklich gut. Aber ich werde Mister Holmcroft die Augen öffnen; er soll erfahren, mit wem er sich verbunden hätte, wäre ich nicht gewesen.”

Sie stockte, eine weitere, noch härtere Beleidigung blieb unausgesprochen.

Das Wesen, welches sie so gröblich beschimpft hatte, kam jetzt auf sie zu. Grace starrte hilflos zu ihr empor; aus Mercys zornsprühendem Gesicht war plötzlich alles Blut gewichen, als sie sich drohend über ihre Quälerin beugte.

„Sie werden Mister Holmcroft die Augen öffnen”, wiederholte Mercy langsam; „er soll erfahren, mit wem er sich verbunden hätte, wären Sie nicht gewesen!”

Sie hielt inne. Dann richtete sie eine Frage an Grace Roseberry, bei welcher dieser ein Schrecken durch alle Glieder fuhr.

„Wer sind Sie?”

Die unterdrückte Wut in Blick und Ton, als sie diese Worte sprach, zeigten deutlicher als jeder heftige Ausbruch, dass Mercys Geduld nunmehr erschöpft war. In der Abwesenheit des Schutzengels hatte der böse Dämon sein Werk vollbracht. Julian Gray hatte ihr besseres Selbst emporgehoben, jetzt sank es wieder, durch die Bosheit eines Weibes schändlich vergiftet, in die Nacht zurück. Mercy brauchte nur zu wollen, sie konnte sich leicht und furchtbar rächen für den ihr zugefügten Schimpf. Außer sich vor Wut und Entrüstung zauderte sie nicht mehr - sondern ergriff das Mittel, das ihr zu Gebote stand.

„Wer sind Sie?” fragte sie noch einmal.

Grace stand auf und versuchte zu sprechen. Mercy hielt sie mit einer verächtlichen Handbewegung zurück.

„Jetzt erinnere ich mich erst!” fuhr sie mit verhaltenem Zorn im selben stolzen Ton fort. „Sie sind die Irrsinnige aus dem deutschen Hospital, die schon vor einer Woche hier gewesen ist? Ich fürchte mich nicht mehr vor Ihnen. Setzen Sie sich, Mercy Merrick und ruhen Sie sich aus.”

Kalt und unbekümmert redete sie sie bei diesem Namen an, als sei er der ihre; dann schritt sie an ihr vorbei und ließ sich in dem Stuhl nieder, welchen beim Beginn ihrer Unterredung Grace ihr verweigert hatte.

Grace sprang empor.

„Was soll das heißen?” fragte sie.

„Nichts anderes”, antwortete Mercy verächtlich, „als dass ich jedes Wort, das ich bisher gesprochen, wieder zurücknehme. Ich will und werde meinen Platz hier im Hause behaupten.”

„Sind Sie von Sinnen?”

„Sie stehen neben der Glocke. Ziehen Sie sie jetzt, wie Sie das vorhin mir geraten haben. Rufen Sie das ganze Haus zusammen und fragen Sie dann, welche von uns beiden die Wahnsinnige ist - Sie oder ich?”

„Mercy Merrick, Sie werden das bis an ihr Lebensende zu bereuen haben.”

Mercy erhob sich und starrte mit flammenden Augen auf die trotzige Sprecherin vor ihr.

„Kein Wort mehr!” sagte sie. „Verlassen Sie das Haus sogleich, so lange Sie es noch verlassen können. Wenn Sie hier bleiben, so rufe ich Lady Janet Roy.”

„Das können - das dürfen Sie nicht!”

„Ich - nicht können - nicht dürfen. Sie haben nicht den Schatten eines Beweises gegen mich in Händen. Ich besitze die Papiere; dies hier ist mein Platz; Lady Janet hat mir ihr Vertrauen geschenkt. Und Sie müssen mir glauben - ich behalte meine Kleider, meine Armbänder, ich behaupte meine Stellung hier im Hause. Ich leugne es, dass ich ein Unrecht begangen. Die menschliche Gesellschaft hat mich grausam behandelt, ich bin ihr darum nichts schuldig. Ich habe sogar ein Recht, von ihr Vorteil zu ziehen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Ich leugne es auch, Ihnen einen Schaden zugefügt zu haben; wie hätte ich es denn wissen können, dass Sie wieder lebendig werden? Habe ich Ihrem Namen, Ihrem Charakter vielleicht Unehre gemacht? Ganz das Gegenteil davon; Sie können sich bei mir bedanken, denn jedermann hier liebt und achtet mich. Glauben Sie, Lady Janet hätte Sie so lieb gewonnen wie mich? Niemals! Ich sage Ihnen ins Gesicht, dass ich Ihre Stelle tausendmal besser und würdiger ausgefüllt, als Sie es getan haben würden. Darum, ich gebe Ihren Namen nicht auf; ich gebe Ihnen das geraubte Recht nicht wieder zurück! Treiben Sie es also zum äußersten, ich trotze Ihnen!”

Unaufhaltsam waren diese schonungslosen Worte hervorgedrungen. Es war nicht möglich, sie zu unterbrechen, bis sie endlich atemlos und erschöpft innehielt. Grace ergriff die erste Gelegenheit, die sich ihr bot.

„Sie trotzen mir?” erwiderte sie entschlossen. „Sie werden es nicht mehr lange tun. Ich habe nach Kanada geschrieben. Meine Freunde dort werden für mich sprechen.”

„Und wenn sie es tun, was dann? Ihre Freunde sind hier fremd. Ich bin die Adoptivtochter Lady Janets, sie wird nicht ihnen glauben, sondern mir. Wenn sie an sie schreiben, wird sie die Briefe verbrennen; wenn sie hierher kommen, weist sie ihnen die Tür. Ich bin in einer Woche Mistress Horace Holmcroft; dann kann meine Stellung niemand mehr erschüttern, niemand mehr mich angreifen.”

„Warten Sie erst noch. Die Hausmutter im Besserungshaus haben Sie vergessen?”

„Finden Sie sie auf, wenn Sie können. Ich habe Ihnen ihren Namen verschwiegen; Sie wissen nicht einmal, wo das Besserungshaus ist.”

„Ich setze Ihren Namen in die Zeitung und erfahre so, wer die Hausmutter ist.”

„Tun Sie dies, in welcher Zeitung Londons Sie wollen. Glauben Sie denn, ich hätte einer Fremden, wie Ihnen, meinen wahren Namen gesagt? Mercy Merrick hieß ich erst, als ich England verließ. Dieser Name ist der Hausmutter völlig unbekannt; er ist es auch Mister Holmcroft. Er traf in dem französischen Häuschen mit mir zusammen, während Sie bewusstlos auf dem Bette lagen. Mein Krankenpflegerinkleid war unter meinem grauen Mantel versteckt; weder er, noch sonst jemand hat mich darin gesehen. Man hat auf dem Kontinent Nachforschungen angestellt, doch - ich weiß es zufällig von der Person, die sie angestellt - sie blieben erfolglos. Ich bin in Ihrer Stelle sicher, man kennt mich unter Ihrem Namen. Ich bin Grace Roseberry und Sie sind Mercy Merrick. Beweisen Sie das Gegenteil, wenn Sie können!”

Sie sprach diese Worte mit stolzer Sicherheit, im Bewusstsein ihrer Unantastbarkeit und deutete nach der Tür des Billardzimmers.

„Sie sind da versteckt gewesen, Sie haben es selbst eingestanden”, sagte sie. „Sie kennen also den Weg, um von hier zu entkommen. Verlassen Sie das Zimmer!”

„Ich rühre mich nicht von der Stelle!”

Mercy schritt zu einem Seitentisch und legte die Hand auf den Drücker der Glocke.

Im selben Augenblick öffnete sich die Tür des Billardzimmers. Julian Gray, von seiner erfolglosen Durchsuchung des Gartens zurückkehrend, erschien auf der Schwelle.

Er hatte sie noch kaum überschritten, so ward auch die Tür des Bibliothekzimmers aufgestoßen; der dort drinnen aufgestellt gewesene Diener zog sich zurück und ließ Lady Janet Roy eintreten; ihr folgte auf dem Fuße Horace Holmcroft, das Hochzeitsgeschenk seiner Mutter für Mercy in der Hand.


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