Deutsche Wilkie Collins Fanpage - Detektivgeschichten - Herr Marmaduke und der Pfarrer - Kapitel 3
 

Herr Marmaduke und der Pfarrer

III.

28. Mai. Ein Brief von Marmaduke, welcher mich benachrichtigt, dass ich ihn zu Caulskirk erwarten möchte, genau beim Ablauf der sechsmonatlichen Frist: am 7. Juni.

Indem er zu diesem Zwecke schrieb, fügte er ein rechtzeitiges Wort in Betreff seiner Familie bei. Seine beiden Eltern waren tot; sein einziger Bruder hatte eine Zivilstellung in Indien, deren Ort genannt war. Sein Oheim (seines Vaters Bruder) war Kaufmann und in London wohnhaft, und auf diesen nahen Verwandten bezog er sich, wenn ich Nachforschungen über ihn zu machen wünschte. Es folgten die Namen seiner Bankiers, die ermächtigt seien, mir jede Auskunft über seine Vermögensverhältnisse zu geben. Nichts konnte klarer und redlicher sein. Ich schrieb an seinen Oheim und an seine Bankiers. In beiden Fällen waren die Antworten vollkommen befriedigend - nicht im geringsten Grade zweifelhaft, keine Ausflüchte, keine Geheimnisse.

Mit einem Worte, Marmaduke selbst war vollständig verbürgt und Marmadukes Einkommen war in Wertpapieren angelegt, die jede Besorgnis oder Zweifel ausschlossen. Selbst Schwester Judith, die geneigt war und eifrig versuchte, irgendein Loch in die Auskunft zu stechen, konnte daran nichts aussetzen.

Der letzte Satz in dem Briefe Marmadukes war der einzige Teil desselben, der mir beim Lesen keine Freude machen konnte. Er überließ es mir, den Tag für die Hochzeit festzusetzen, und bat mich, dies sobald als möglich zu tun.

Ich bekam einen Anfall von Herzweh, wenn ich daran dachte, mich von Felicia zu trennen und mit niemand als mit Schwester Judith zu Hause zurückzubleiben.

Indessen überwand ich dies damals; nachdem ich mich mit meiner Tochter beraten hatte, entschieden wir uns, einen Tag - vierzehn Tage nach der Ankunft Marmadukes - zu bestimmen; den 21. Juni.

Dies gab Felicia Zeit für ihre Vorbereitungen, außerdem bot es mir Gelegenheit, mit dem Charakter meines Schwiegersohnes besser bekannt zu werden.

Die glücklichste Heirat stellt unzweifelhaft ihre Forderungen an die menschliche Geduld, und ich war neben anderem besorgt, mich über das gute Gemüt Marmadukes zu vergewissern.


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