Deutsche Wilkie Collins Fanpage - Namenlos - Achtes Buch - Zwischenscenen in Briefen - VI. Mr. De Bleriot an Mrs. Lecount
 

Namenlos



VI.

Mr. De Bleriot an Mrs. Lecount

Kingsland Darks Häuser,
den 25. October 1847

(Ganz geheime und vertrauliche Mittheilung.)
Liebe Madame!

Ich eile, Ihnen auf Ihr Geehrtes vom letzten Sonnabend Folgendes zu antworten. Die Umstände sind mir sofern günstig gewesen, daß ich in der Lage war, Ihre Interessen durch Zuratheziehung eines meiner Freunde zu fördern, eines Freundes, welcher in der Leitung von geheimen Nachforschungen aller Art sehr erfahren ist. Ich habe ihm —— ohne Namen zu nennen —— Ihren Fall vorgelegt, und ich freue mich, Ihnen mittheilen zu können, daß unsere beiderseitigen Ansichten über das besondere Verhalten, das Sie einzuhalten haben dürften, in jeder Einzelheit übereinstimmen.

ir Beide, mein Freund und ich, sind der Meinung, daß wenig oder gar Nichts geschehen kann, um die Personen, die Sie im Sinne haben, aufzuspüren, bevor nicht der Ort ihres zeitweiligen Aufenthaltes, nachdem sie Aldborough verlassen, entdeckt worden ist. Wenn Dies überhaupt geschehen kann, so mag es je eher je lieber geschehen. Nach Ihrem Briefe zu urtheilen, müssen einige Wochen ins Land gegangen sein, seitdem der Advocat keine Mittheilungen erhielt, wonach dieselben ihren Aufenthalt verändert hatten. Wenn sie Beide auffallend aussehende Personen sind, so haben sie die Leute, welche mit ihnen unterwegs zu thun hatten, wahrscheinlich noch nicht vergessen. Nichtsdestoweniger ist eine Reise wünschenswerth.

Die Frage, welche Sie zu erwägen haben, ist nun, ob Dieselben die Adresse, welche wir so nöthig brauchen, nicht möglicherweise einer andern Person außer dem Advocaten mitgetheilt haben. Der Gatte kann doch an Mitglieder seiner Familie geschrieben haben, oder die Frau hat an Jemand von den Ihrigen geschrieben. Wir beide, ich und mein Freund, sind der Meinung, daß das Letztere das Wahrscheinlichere ist. Wenn Sie also irgend eine Möglichkeit haben, zu der Familie seiner Frau in Beziehung zu treten, so empfehlen wir Ihnen dringend, davon Gebrauch zu machen. Wo nicht, so geben Sie uns die Namen vor irgendwelchen näheren Verwandten oder vertrauten Freunden, die Sie kennen, und dann wollen wir versuchen, statt Ihrer uns Eingang zu verschaffen.

Auf jeden Fall ersuchen wir Sie zugleich, geben Sie uns gefälligst die genaueste Personalbeschreibung, welche nur von beiden Personen gegeben werden kann. Wir können Ihres Beistandes in diesem wichtigen Punkte binnen hier und fünf Minuten benöthigt sein. Senden Sie uns also die Beschreibung gefälligst mit umgehender Post. Inzwischen wollen wir uns bemühen, unsererseits herauszubekommen, ob insgeheim auf Mr. Loscombes Schreibstube Etwas zu erfahren ist. Der Advocat selbst ist wahrscheinlich unnahbar für uns. Aber wenn einer von seinen Schreibern mit Vortheil behandelt werden kann, unter Bedingungen, welche für Ihre Geldmittel nicht unerschwinglich sind, so seien Sie versichert, daß die Gelegenheit beim Schopf ergriffen werden wird, werthe Madame, von

Ihrem
getreuen Diener,

Alfred De Bleriot


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