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Die Blinde



Erstes Kapitel - Lucilla’s Geschichte von ihr selbst erzählt.

Man wird sich aus meiner Schilderung dessen, was Lucilla bei der ihr ertheilten Unterweisung des Augenarztes im Gebrauch ihrer Augen sagte und that, erinnern daß ihr besonders daran gelegen war, sich die Erlaubniß zu dem Versuch zu erwirken, wie sie schreiben könne.

Das Motiv, das sie dabei leitete, war das, von welchem ein liebendes Herz immer geleitet wird. Ihr einziger Ehrgeiz besteht darin, sich dem Manne, den sie liebt, selbst in den geringfügigsten Dingen von der vortheilhaftesten Seite zu zeigen. Das war auch Lucilla’s einziger Ehrgeiz Oscar gegenüber.

In dem Bewußtsein, daß ihre bis dahin mühsam und mangelhaft durch ihren Tastsinn geleitete Handschrift einen traurig unvortheilhaften Contrast zu der Handschrift anderer sehender Frauen darbieten müsse, ließ sie nicht ab, Grosse zu bitten, ihr zu erlauben, daß sie »mit den Augen statt mit den Fingern« schreiben lerne, bis es ihr wirklich gelungen war, die Widerstandskraft des würdigen Arztes zu brechen.

Die überraschend schnelle Stärkung ihrer Sehkraft während ihres Aufenthalts an der See, von der ich später erfuhr, ließ es gerechtfertigt erscheinen, daß er ihr nachgegeben hatte. Mit unermüdlicher Ausdauer gelang es ihr, während sie täglich ihre Sehkraft mehr gebrauchen lernte, die große Schwierigkeit, mit den Augen« statt mit dem Gefühl schreiben zu lernen, zu überwinden. Nachdem sie sich anfänglich auf liniertem Papier in Schreibbüchern geübt hatte, kam sie bald dahin, bequem einzelne Worte nach Dictat zu schreiben. Der nächste Fortschritt war, daß sie Billete schrieb und dann, daß sie ein Tagebuch führte, das Letztere nach dem Rath ihrer Tante, welche ihre Jugend in der Zeit vor der Einführung des billigen Briefportos verlebt hatte, wo die Leute Tagebücher führten und lange Briefe schrieben, kurz, wo die Leute Zeit hatten, an sich zu denken, und was noch merkwürdiger ist, auch ihre Gedanken über sich niederzuschreiben.

Lucilla’s in Ramsgate geführtes Tagebuch liegt vor mir, während ich diese Zeilen schreibe.

Ich hatte anfänglich die Absicht, dasselbe in der Art zu benutzen, daß ich den Gang meiner Erzählung ununterbrochen fortsetzen und weiter in eigener Person schreiben wollte, wie ich es bisher gethan habe und — wie ich es wieder zu thun gedenke, wenn ich wieder handelnd auftreten werde.

Nachdem ich mir die Sache aber nochmals überlegt und das Tagebuch wieder durchgelesen habe, halte ich es doch für das Richtigere, Lucilla die Geschichte ihres Aufenthalts in Ramsgate mit ihren eigenen Worten erzählen zu lassen und nur gelegentlich, wo es mir erforderlich erscheint, Bemerkungen hinzuzufügen. Bei diesem Verfahren werde ich, glaube ich, eine größere Abwechselung, Frische und Anschaulichkeit der Darstellung erzielen. Warum sind Geschichtsbücher — mit einigen glänzenden mir wohlbekannten Ausnahmen —, im Allgemeinen eine so langweilige Lectüre? Weil sie die aus zweiter Hand geschriebene Erzählung von Ereignissen enthalten. Nun möchte ich aber alles lieber sein als langweilig. Vielleicht findet der Leser, daß ich bereits langweilig gewesen bin? Einem solchen Urtheil würde ich aber, so wahr ich eine rechtschaffene Frau bin, nicht zustimmen können. Es giebt Leute, die mit einem langweiligen Geist an ihre Lectüre gehen und dann den Schriftsteller für ihre Langeweile verantwortlich machen. Ich sage nichts weiter.

Es bleibt also dabei, daß Lucilla die während meines Aufenthaltes auf dem Continent in Ramsgate vorgefallenen Ereignisse selbst erzählen soll und daß ich mich darauf beschränken werde, hier und da eine mit P. unterzeichnete Anmerkung einzustreuen.

Lucilla’s Tagebuch.

»East-Cliff, Ramsgate, den 28. August.

Heute sind es vierzehn Tage, seit ich hier mit meiner Tante angekommen bin. Ich hatte Zillah schon von London aus nach Dimchurch zurückgeschickt. Ihr Rheumatismus wird der armen Alten in der feuchten Seeluft doppelt beschwerlich.

Mit meinem Schreiben geht es seit acht Tagen etwas besser. Ich kann die Feder leichter bewegen, meine Handschrift sieht doch der eines Kindes nicht mehr ganz so ähnlich. Wenn ich erst Oscar’s Frau bin, werde ich ebenso gut schreiben können wie andere Damen.«

(Anm — Das arme Kind ist sehr genügsam. Ihre verbesserten Schriftzüge sind noch gewaltig schief und krumm. Einige ihrer Buchstaben umarmen sich wie zärtliche Freunde und andere stehen weit auseinander wie bittere Feinde. Ich sage das nicht, um eine Bemerkung über Lucilla zu machen, sondern, um mich zu entschuldigen wenn ich bei der Abschrift ihres Tagebuchs Versehen machen sollte. Nun wollen wir sie fortfahren lassen. P)

»Oscar’s Frau. Wann werde ich Oscar’s Frau sein? Ich habe ihn noch nicht einmal gesehen. Er wird noch durch etwas, ich fürchte durch eine Differenz mit seinem Bruder, auf dem Continent zurückgehalten. Der Ton seiner Briefe hat fortwährend etwas Reserviertes, was mich beunruhigt und mir unerklärlich ist. Bin ich denn ganz so glücklich, wie ich es nach Wiedererlangung meiner Sehkraft zu sein hoffte?

Es ist nicht Oscar’s Schuld, wenn ich dann und wann trübe gestimmt bin; ist meine eigene Schuld. Ich habe meinen Vater beleidigt und fürchte bisweilen, nicht recht gegen Madame Pratolungo gehandelt zu haben. Diese Dinge quälen mich.

Es scheint mein Schicksal zu sein, immer mißverstanden zu werden. Bei meiner plötzlichen Flucht aus dem Pfarrhause wollte ich nicht unehrerbietig gegen meinen Vater handeln. Ich ging fort, weil ich mich ganz unfähig fühlte, der Frau gegenüber zu treten, die ich einst zärtlich liebte — noch liebe, wenn ich an sie denke, wie ich es jetzt wieder thue. Es ist so unerträglich, in dem Bewußtsein, daß man das Vertrauen zu einer Person verloren hat, der man einst unbegrenztes Vertrauen schenkte, dieser Person zu jeder Tagesstunde mit einem freundlichen Gesicht, als ob nichts vorgefallen wäre, begegnen zu müssen. Der Drang, einer ferneren Begegnung mit ihr zu entgehen, wurde, als ich fand, daß sie das Haus verlassen habe, um einen Spaziergang zu machen, unwiderstehlich. Wenn ich mich noch einmal in derselben Lage befände, würde ich dasselbe noch einmal thun. Ich habe das in meinem Briefe an meinen Vater angedeutet und ihm gesagt, daß etwas Unangenehmes zwischen mir und Madame Pratolungo vorgefallen und daß ich nur deshalb so rasch fortgegangen sei. Vergebens! Er hat meinen Brief nicht beantwortet. Ich habe seitdem an meine Stiefmutter geschrieben und aus ihrer Antwort habe ich erfahren, wie ungerecht er sich über meine Tante äußert. Ohne den leisesten Grund ist er noch aufgebrachter gegen meine Tante als gegen mich!

Bei dieser traurigen Entfremdung habe ich einen Trost: soweit ich dabei in Betracht komme, wird sie nicht von Dauer sein. Mit meinem Vater werde ich mich früher oder später sicherlich wieder verständigen. Wenn ich wieder in’s Pfarrhaus zurückkehre, werde ich mich mit ihm aussöhnen, wir werden wieder so gut wie je mit einander auskommen.

Aber wie wird es mit mir und Madame Pratolungo werden? Sie hat meinen Brief nicht beantwortet, ich fange an, zu wünschen, daß ich ihn nicht geschrieben hätte, wenigstens nicht den Schluß. Ich habe seit ihrer Abreise absolut nichts von ihr gehört; ich weiß nicht, wann sie, oder ob sie überhaupt je wieder zu mir nach Dimchurch zurückkehren wird. O, was würde ich darum geben, wenn mir dieses schreckliche Geheimniß aufgeklärt würde, wenn ich wüßte, ob ich vor ihr auf die Knie fallen und sie um Vergebung bitten müßte? Oder ob ich den Tag, an welchem diese Frau meine Gesellschafterin und meine Freundin wurde, zu den traurigsten Tagen meines Lebens zählen muß?

Habe ich voreilig, oder habe ich richtig gehandelt?

Das ist die Frage, die sich mir aufdrängt und mich quält, so oft ich des Nachts aufwache. Ich will doch einmal wieder, wenigstens zum fünfzigsten Male, Oscar’s Brief ansehen.« (Anmerkung: Ich schreibe den Brief hier ab. Andere Augen als die ihrigen werden ihn hier lesen. Es ist natürlich Nugent, der hier unter Oscar’s Namen, an sie schreibt. Der Leser wird sehen, daß die guten Entschlüsse, mit denen er mich verließ, bis Paris vorhielten, dann aber wieder anderen Gefühlen Platz machten, wie sie sich in Folgendem ausgesprochen finden. P.)

»Meine geliebte Lucilla. — Hier in Paris finde ich, seit ich Browndown verlassen habe, den ersten freien Moment, um Dir zu schreiben. Madame Pratolungo hat Dir ohne Zweifel mitgetheilt, daß ich in einer dringenden Veranlassung plötzlich zu meinem — Bruder habe reisen müssen. Ich habe den Ort, wo ich Ihn treffen soll, noch nicht erreicht. Bevor ich zu ihm eile, laß’ mich Dir erzählen, worin jene dringende Veranlassung, die mich von Dir getrennt hat, besteht. Madame Pratolungo erfreut sich nicht mehr meines Vertrauens. Wenn Du etwas weiter gelesen haben wirst, wird sie sich auch des Deinigen nicht mehr erfreuen.

Ach, mein geliebtes Kind, ich, der ich gern mein Leben für Dein Glück hingeben möchte, muß Dich erschrecken, aufregen und betrüben. Ich will mich so kurz wie möglich fassen. Ich habe eine schreckliche Entdeckung gemacht. Lucilla, Du hast Madame Pratolungo als einer Freundin Dein Vertrauen geschenkt Trau’ ihr nicht mehr. Sie ist Deine und meine Feindin.

Ich hatte schon seit einiger Zeit Verdacht gegen sie geschöpft. Mein schlimmster Verdacht hat sich bestätigt.

Längst hätte ich Dir mittheilen sollen, was ich Dir jetzt sage. Aber ich schreckte davor zurück, Dich zu betrüben. Dein liebes Gesicht traurig zu sehen, bricht mir das Herz. Nur entfernt von Dir, wenn sich mir die Folgen einer unterlassenen Warnung bedrohlich darstellen, finde ich den Muth, jener Frau die Maske von ihrem falschen Gesicht zu reißen und sie Dir in ihrer wahren Gestalt zu zeigen. Es ist mir unmöglich, in einem Briefe auf alle Einzelheiten einzugehen; ich behalte mir die Mittheilung aller näheren Umstände bis zu dem Zeitpunkt vor, wo wir uns wiedersehen und bis ich Dir das bieten kann, was Du zu verlangen ein Recht hast, den Beweis, daß ich die Wahrheit rede.

Inzwischen bitte ich Dich, Dich Deiner eigenen Gedanken, Deiner eigenen Worte an jenem Tage zu erinnern, wo Madame Pratolungo Dich im Pfarrhausgarten beleidigte. Bei jener Gelegenheit entfuhr die Wahrheit den Lippen der falschen Französin und sie wußte es!

Erinnerst Du Dich noch dessen, was Du sagtest, als sie Dir nach Browdown folgte? Ich meine, nachdem sie Dir erklärt hatte, daß Du Dich in meinen Bruder verliebt haben würdest, wenn Du ihm zuerst begegnet sein würdest, und nachdem Nugent, offenbar auf ihren Antrieb, Deine Blindheit dazu mißbraucht hatte, Dich glauben zu machen daß Du mit ihm sprächest. Was sagtest Du damals, als Du den Streich aufgefunden hattest und die Dir angethane Beleidigung schmerzlich empfandest?

Du sagtest wörtlich oder doch nahezu wörtlich:

»Sie hat Dich vom ersten Augenblick an gehaßt, Oscar — sie hat es seit seiner Ankunft mit Deinem Bruder gehalten. Heirathe mich nicht in Dimchurch! Laß’ uns einen Ort aufsuchen den sie nicht kennen Sie haben sich Beide gegen Dich und gegen mich verschworen. Hüte Dich, hüte Dich vor ihnen!«

Lucilla! ich wiederhole Dir Deine eigenen Worte; ich richte die Warnung — die prophetische Warnung — an Dich, die Du mir ahnungslos in vergangenen Tagen gegeben hast. »Ich fürchte, mein unglücklicher Bruder liebt Dich, und ich weiß gewiß, daß Madame Pratolungo an ihm eine Interesse nimmt, das sie niemals für mich gefühlt hat. Was Du damals zu mir sagtest, sage ich jetzt zu Dir: sie haben sich mit einander gegen uns verschworen; hüte Dich, hüte Dich vor ihnen!

Wenn wir uns wiedersehen werde ich bereit sein, die Verschwörung zu vereiteln. Bis dahin aber beschwöre ich Dich, so wahr Dir an meinem und Deinem Glück gelegen ist, Madame Pratolungo nicht ahnen zu lassen, daß sie entlarvt ist. Ich glaube sicher, daß sie es ist, welche ein Vorwurf trifft. Ich gehe, wie Du jetzt begreifen wirst, zu einem ganz andern Zweck zu meinem Bruder, als den ich Deiner falschen Freundin zu meiner Entschuldigung genannt habe. Fürchte kein Zerwürfniß zwischen Nugent und mir. Ich kenne ihn, ich werde finden daß er mißleitet worden ist und der Versuchung nicht widerstehen konnte. Ich stehe dafür, daß er jetzt, wo er keinem üblen Einflusse mehr ausgesetzt ist, wie ein rechtschaffener Mann handeln und Deine und meine Verzeihung verdienen wird. Der Grund, den ich Madame Pratolungo als Entschuldigung für mich genannt habe, wird sie abhalten sich in unsere Angelegenheit zu mischen. Das war der einzige Zweck, um dessentwillen ich ihr jenen angeblichen Grund nannte.

Halte mich über Deine und ihre Bewegungen genau au fait. Ich lege eine Adresse ein, an welche Du mit der Gewißheit schreiben kannst, daß Deine Briefe richtig befördert werden.

Ich meinerseits verspreche Dir, fortwährend zu schreiben. Noch einmal, vertraue keiner lebenden Seele das Geheimniß an, welches ich Dir in diesem Briefe enthüllt habe. Du kannst darauf rechnen, daß ich baldigst wieder bei Dir sein werde, um Dich mit der Autorität eines Ehemannes aus den Händen der Frau zu befreien welche uns so grausam betrogen hat. Dein Dich zärtlich liebender Oscar.«

(Anm. — Ich brauche hier nicht länger bei der teuflischen Schlauheit — kein andrer Ausdruck bezeichnet die Sache richtig — zu verweilen welche diesen abscheulichen Brief eingegeben hatte. Man lese im achten und neunten Kapitel des zweiten Bandes nach und man wird sehen wie geschickt er das, was ich in einem Augenblick thörichter Aufregung und was Lucilla in einem Augenblick sagte, als sie ihrer selbst nicht mächtig war, dazu benutzte, mich ihr gegenüber anzuschwärzen. Ahnungslos mußten wir unserem Feinde den Boden bieten auf welchem er sein lügenhaftes Gebäude aufrichtete. Im Uebrigen bedarf es keiner weiteren Erklärung. Nugent beharrt noch immer dabei, sich für seinen Bruder auszugeben. Er erräth leicht den Grund, den ich Lucilla als Entschuldigung für seine Abreise angegeben haben werde und er kommt über die Schwierigkeit der auffallenden Thatsache, daß er den Zweck seiner Reise einer Frau anvertraut habe, der er mißtraut, dadurch hinweg, daß er erklärt, er habe es für nothwendig gehalten mich in Betreff des wahren Zwecks seiner Reife zu täuschen. Aus dem weiteren Inhalt des Tagebuchs wird man sehen, wie geschickt er mit der Maschinerie, welche er durch seinen Brief in Bewegung gesetzt hat, zu arbeiten weiß. Alles was ich hier zur Erklärung hinzuzufügen brauche, ist, daß die Verzögerung seiner Ankunft in Ramsgate, über welche Lucilla sich beklagt, lediglich durch sein Zaudern veranlaßt war. Sein Ehrgefühl war, wie ich später erfahren habe, noch nicht ganz erstorben. Je tiefer er sank, desto verzweifelter rang seine bessere Natur darnach, ihn wieder zu erheben. Nur seine Gewissensbisse konnten ihn in Paris zurückhalten. Ich brauche wohl kaum noch zu bemerken daß er nie über Paris hinauskam und nie den Aufenthaltsort seines Bruders entdeckte, nachdem Lucilla ihn brieflich benachrichtigt hatte, daß ich verreist und sie mit ihrer Tante in Ramsgate sei. Ich bin fertig. Hören wir weiter, was Lucilla zu sagen hat. P.)

»Ich habe Oscar’s Brief noch einmal gelesen. Er ist die Ehrenhaftigkeit selbst; er ist unfähig, mich zu täuschen. Ich erinnere mich. Das. wovon er spricht. freilich nur in einem Augenblick. wo ich außer mir vor Zorn war. gesagt und auch gedacht zu haben. Und doch — sollte es nicht möglich sein, daß der Schein Oscar betrogen hat? O, Madame Pratolungo! Ich hatte eine so hohe Meinung von Ihnen; ich liebte Sie so zärtlich, — ist es möglich, daß Sie der Bewunderung und der Liebe, die Sie mir einst einflößten unwürdig sind?

Ich stimme Oscar darin durchaus bei, daß seinen Bruder kein Vorwurf trifft. Es ist traurig, ja entsetzlich, daß Nugent Dubourg es sich erlaubt hat, sich in mich zu verlieben. Aber ich kann nicht umhin ihn zu bemitleiden; der arme entstellte Mensch, ich hoffe, er wird eine gute Frau finden! Wie er gelitten haben muß!

Ich kann den Zustand der Ungewißheit, in dem ich jetzt lebe, nicht länger ertragen Oscar soll und muß mich mit seinen Worten überzeugen, daß er in Betreff Madame Pratolungo’s Recht hat. Ich werde ihm mit nächster Post schreiben und darauf bestehen daß er nach Ramsgate kommt.

Den 29. August. Ich habe ihm gestern unter der Pariser Adresse geschrieben Mein Brief wird morgen ankommen? Wo mag er sein? Wann wird er ihn bekommen?

(Anm. Dieser unschuldige Brief that seine verhängnißvolle Wirkung. Er machte dem inneren Kampfe, der Nugent bis dahin noch zurückgehalten hatte, ein Ende. An demselben Morgen wo er ihn erhielt, reiste er nach England ab. Hier, was Lucilla darüber in ihrem Tagebuch schreibt. P.)

»Den 31 August, Beim Frühstück erhielt ich ein Telegramm.

Ich bin zu glücklich, um die Hand ruhig halten zu können, ich schreibe schauderhaft. Aber was liegt daran, mir liegt an nichts etwas, außer an meinem Telegramm. (O, welch’ ein edler Geist war der Erfinder der Telegramme!) Oscar ist auf dem Wege nach Ramsgate.«


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