Deutsche Wilkie Collins Fanpage - Verhängnisvolle Erbschaften - Eine verhängnisvolle Erbschaft - Kapitel 7
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VII

Es war notwendig, daß entweder er oder ich meinem Vater erzählte, was zwischen uns vorgefallen war. Nachdem ich darüber nachgedacht hatte, hielt ich es für das beste, daß ich es bekanntgeben sollte. An dem Tag nach dem Picknick erzählte ich meinem Vater Rolands traurige Geschichte als ein notwendiges Vorwort zur Bekanntgabe, daß ich versprochen hatte, Rolands Frau zu werden.

Mein Vater hatte offensichtliche Bedenken gegen unsere Heirat. Er warnte mich vor der Unvorsichtigkeit, über die ich nachgedacht hatte, indem er diese aufs schärfste beanstandete. Unsere Aussicht auf Glück, wenn wir heirateten, würde völlig von unserer Fähigkeit abhängen, das Vorgehen der Gutachtenskommission auf legalem Weg zu beseitigen.  Erfolg war in diesem mühsamen Unterfangen gelinde gesagt unsicher. Die gewöhnlichste Klugheit wies auf die Schicklichkeit hin, unsere Heirat zu verschieben, bis der zweifelhafte Versuch auf die Probe gestellt worden war.

Diese Überlegungen waren unwiderlegbar. Dennoch waren sie an mich vollständig verschwendet worden.
Wann hörte eine verliebte Frau jemals auf die Vernunft? Ich glaube, dafür ist nirgends ein Beweis verzeichnet. Die weisen Worte der Vernunft meines Vaters hatten keine Chance gegenüber Rolands leidenschaftlichem Flehen. Die Tage seines Aufenthalts in Eastbourne rückten einem Ende näher. Wenn ich ihn als einen unverheirateten Mann in die Anstalt zurückkehren ließ, würden Monate, möglicherweise Jahre vergehen, bis unsere Heirat stattfinden konnte. Konnte ich von ihm erwarten, konnte ich überhaupt von irgendeinem Mann erwarten, diese grausame Trennung und diese ununterbrochene Ungewißheit zu erdulden? Seine Vernunft war schon bitter auf die Probe gestellt worden; sein Verstand könnte dabei zerbrechen. Dies waren die Argumente, die meiner Meinung nach Gewicht hatten! Ich war alt genug und frei, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Du kannst mich gerne für die dümmste und eigensinnigste Frau halten, wenn Du willst. Sechzehn Tage nach unserem Picknick wurden Roland und ich heimlich in Eastbourne getraut.
Mein Vater - eher bekümmert denn zornig, der arme Mann - lehnte es ab, der Zermonie beizuwohnen; um sich gerecht zu werden. Mein Bruder führte mich zum Altar.

Roland und ich verbrachten den Nachmittag unseres Hochzeitstages und den früheren Teil des Abends zusammen. Um neun Uhr kehrte er zum Haus des Doktors zurück, pünktlich wie gewöhnlich; er hatte mir zuvor erklärt, daß er in der Gewalt des Verwaltungsgerichts war, und daß es eine ernsthafte Notwendigkeit war, die Heirat streng geheimzuhalten,  bis wir die Berichte der Gutachtenskommision widerlegt hatten. Mein Mann und ich küssten uns und verabschiedeten uns bis morgen, als die Uhr die volle Stunde schlug. Als ich ihm von der Haustür aus nachsah, dachte ich nicht, daß Monate um Monate vergehen würden, bis ich Roland wiedersehen würde.

Eine hastige Mitteilung meines Mannes erreichte mich am nächsten Morgen. Unsere Heirat war entdeckt worden (wir konnten nie feststellen, von wem) und wir waren an den Doktor verraten worden. Roland war bereits auf dem Weg zurück in die Anstalt. Er war gewarnt worden, daß Gewalt angewendet werden sollte, falls er sich widersetzte. Da er wußte, daß in seinem Fall Widerstand als ein neuerlicher Ausbruch von Verrücktheit gedeutet werden würde, hatte er vernünftigerweise gehorcht. »Ich habe das Opfer gebracht,« schloß der Brief; »es ist jetzt an Dir, mir zu helfen. Fechte das Gutachten an und tu es schnell!«
Wir verloren keine Zeit, unseren Angriff vorzubereiten. Am Tag, als ich die Neuigkeiten unseres Unglücks erhielt, reisten wir von Eastbourne nach London und ergriffen sofort Maßnahmen, um den besten juristischen Rat zu erhalten.

Mein lieber Vater - obwohl ich weit davon entfernt war, seine Freundlichkeit zu verdienen - betrachtete die Sache mit ganzem Herzen. Zur gegebenen Zeit legten wir dem Lordkanzler eine Petition vor, in der wir baten, die Entscheidung der Gutachtenskommision abzuschaffen.

Wir unterstützten unsere Petition, indem wir die Aussagen von Rolands Freunden und Nachbarn während seines dreijährigen Aufenthalts in Lake County als freier Mann als Beweis anführten. Diese angesehenen Leute (die vor die Gutachtenskommision gerufen wurden) hatten alle darin übereingestimmt, daß er ihrer Erfahrung und ihrem Urteil nach absolut still, harmlos und gesund war. Viele von ihnen waren mit ihm auf die Jagd gegangen. Andere hatten ihn oft bei Segelfahrten auf dem See begleitet. Trauen Menschen einem Verrückten mit einer Waffe und bei der Handhabung eines Boots? Mit dem Gewaltakt, der den gesetzlichen Erben und nächsten Verwandten die Mittel in die Hand gab, Roland im Irrenhaus einzusperren, verhielt es sich folgendermaßen: er hatte seine Beherrschung verloren und einen Mann niedergeschlagen, der ihn gekränkt hatte. Zweifellos sehr verkehrt; aber wenn das ein Beweis von Verrücktheit ist, wieviel tausende Verrückte sind noch auf freiem Fuß!

Ein anderes Beispiel, um seine Geisteskrankheit zu beweisen, war noch absurder. Es war allgemein bekannt, daß er ein Bild der Jungfrau Maria in sein Boot legte, wenn er seine Segelausflüge machte! Ich habe dieses Bild gesehen - es war ein sehr schönes Kunstwerk. War Roland verrückt, weil er es bewunderte und weil er es mitnahm? Seine religiösen Anschauungen neigten zum Katholizismus. Wenn er Geisteskrankheit verriet, indem er sein Boot mit einem Bild der Jungfrau Maria schmückte, wie ist dann die Geistesverfassung der meisten Damen im Christentum, die das Kreuz als Schmuck um ihren Hals tragen? Wir brachten diese Argumente in unserer Petition vor, nachdem wir die Zeugenaussagen angeführt hatten. Und noch mehr als das: wir gingen so weit, aus Respekt vor dem Gericht zuzugeben, daß mein armer Mann in einigen seiner Meinungen und Gewohnheiten wunderlich sein könnte. Jedoch vertrauten wir es den Sachverständigen an, ob nicht bessere Ergebnisse erwartet werden würden, wenn er unter die Obhut einer Frau, die ihn liebte, gestellt wurde und die er liebte, als wenn er in einer Anstalt unter unheilbar Verrückten als seine Lebensgefährten eingesperrt wurde.

So lautete unsere Petition, soweit ich fähig bin, sie wiederzugeben.
Die Entscheidung lag in den Händen der Lordrichter. Sie entschieden gegen uns.
Während sie ein taubes Ohr für unsere Zeugen und Argumente hatten, erklärten diese erbarmungslosen Juristen, daß die individuelle Behauptung des Doktors von der Verrücktheit meines Mannes ausreichend für sie war. Sie meinten, daß für Roland in der Anstalt mit einem Taschengeld von sechshundert Pfund im Jahr genügend Komfort bereitgestellt wurde - und übergaben ihn für den Rest seines Lebens der Anstalt.

Soweit es mich betraf, wurde ich der Stellung als Rolands Frau infolge dieses niederträchtigen Urteils beraubt; kein Verrückter ist nämlich fähig, eine gesetzliche Ehe zu schließen. Soweit es meinen Mann betraf, wird das Ergebnis am besten in der Sprache einer bekannten Tageszeitung wiedergegeben sein, die einen Artikel zu diesem Fall veröffentlichte: »Es ist möglich« (sagte der Artikel - ich wünschte, ich könnte dem Mann, der ihn schrieb, persönlich danken!) »daß das Kanzleigericht einen Mann, der ein großes Vermögen hat, im besten Alter, aber ein wenig bekloppt ist, gefangennimmt und einen Affen aus ihm macht, und dann sich selbst unterstellt, daß für den Komfort und das Glück des Verrückten bei einem Aufwand von sechshundert Pfund im Jahr wirksam Vorsorge getroffen wurde.«
Roland war dennoch entschlossen, daß sie keinen Affen aus ihm machen sollten - und, wie Du Dir denken kannst, auch ich war es !

Aber uns blieb eine Alternative. Die Richter des Kanzleigerichts sind (innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs) die tyrannischsten Richter auf der Erdoberfläche. Unsere einzige Hoffnung lag in der Flucht. Der Preis unserer Freiheit, als Bürger von England, war Exil von unserem Geburtsland, und den völligen Verzicht auf Rolands Vermögen. Wir akzeptierten diese harten Bedingungen. Das gastfreundliche Amerika bot uns Schutz, jenseits der Reichweite von Irrenärzten und Lordrichtern. Zum gastlichen Amerika wandten sich unsere Herzen als unserem zweiten Heimatland. Die bedeutende Frage war: Wie würden wir dort hingelangen ?

Wir hatten versucht, per Brief in Verbindung zu treten, und es war mißlungen. Unsere Briefe waren entdeckt worden und vom Anstaltsleiter beschlagnahmt worden. Glücklicherweise hatten wir die Vorkehrung getroffen, in einer Geheimschrift nach Rolands Erfindung zu schreiben, die er mir vor unserer Hochzeit beigebracht hatte. Obwohl unsere Briefe unleserlich waren, wurde unsere Absicht selbstverständlich vermutet; und ein Auge wurde Tag und Nacht auf meinen Mann geworfen.

Während unser erster Versuch, heimlich Verabredungen für unsere Flucht zu treffen, vereitelt worden war, setzten wir unsere Korrespondenz (immer noch in Geheimschrift) mittels Anzeigen in den Tageszeitungen fort. Dieser zweite Versuch war seinerseits entdeckt worden. Roland wurde es verboten, die Zeitungen zu abonnieren und den Leseraum der Anstalt zu betreten. Diese tyrannischen Verbote kamen zu spät. Unsere Pläne hatten wir uns schon mitgeteilt; wir verstanden einander, und wir hatten jetzt nur noch unsere Zeit abzuwarten. Wir hatten veranlasst, daß mein Bruder und einer seiner Freunde, auf dessen Diskretion wir uns gänzlich verlassen konnten, abwechselnd jeden Abend zu einer bestimmten Zeit an einem vereinbarten Treffpunkt, drei Meilen entfernt von der Anstalt Wache halten sollten. Der Flecken war sorgfältig ausgewählt worden. Er war auf der Bank eines einsamen Wasserlaufs und nahe dem Rand eines dichten Waldes. Ein wasserfester Rucksack, der Wäsche zum Wechseln enthielt, ein falscher Bart und eine Perücke und ein paar Brötchen und Büchsenfleisch war in einem hohlen Baum versteckt. Mein Bruder und sein Freund nahmen immer ihre Angelruten mit und gaben sich zu jedem Fremden, der zufällig in ihre Sichtweite kommen konnte, als wären sie mit der unschuldigen Beschäftigung des Angelns befasst. Einmal ritt der Anstaltsleiter selbst zu meinem Bruder, auf der entgegengesetzten Bank des Baches und fragte höflich, ob sie anbissen!

Vierzehn Tage lang lösten diese unsere stillen Verbündeten einander von der Wache ab - und kein Zeichen eines Flüchtigen erschien. Am fünfzehnten Abend, als die Dämmerung in die Nacht überging und als mein Bruder (der an der Reihe war) gerade entschieden hatte, den Ort zu verlassen, traf Roland ihn auf der Bank des Flußlaufs.

Ohne einen Augenblick mit Worten zu verlieren, betraten die zwei den Wald und nahmen den Rucksack aus seinem Versteck in dem hohlen Baum. Nach zehn Minuten hatte mein Ehemann einen Satz Arbeitskleidung angezogen und wurde weiterhin mit der Perücke und dem Bart maskiert. Die zwei brachen, dem Flußlauf folgend, auf, wobei sie sich im Schatten des Waldes hielten, bis die Nacht eingebrochen war und die Dunkelheit sie verbarg. Die Nacht war wolkig; es gab keinen Mond. Nachdem sie zwei Meilen oder etwas mehr gegangen waren, änderten sie ihre Richtung und gingen auf die Hauptstraße nach Manchester zu, bis sie sie an einem Punkt dreißig Meilen von der Stadt entfernt betraten.

Auf ihrem Weg fort vom Wald beschrieb Roland die Art und Weise, in der er seine Flucht bewerkstelligt hatte.
Die Geschichte war einfach genug. Er hatte vorgetäuscht, an Nervenkrankheit zu leiden und gebeten, sein Essen in seinem Zimmer einzunehmen. Die ersten vierzehn Tage verabredeten sich zwei Männer, nacheinander auf ihn zu warten, Woche für Woche, die aber beide stärker als seinesgleichen waren. Der dritte dazu eingestellte Mann zu Beginn der dritten Woche war körperlich eine weniger gewaltige Person als seine Vorgänger. Als Roland das sah, entschied er bei Einbruch des Abends, einen weiteren Gewaltakt zu begehen. In schlichten Worten: er sprang auf den Aufseher, der in seinem Raum auf ihn wartete und knebelte und fesselte den Mann.

Nachdem dies getan war, legte er den unglücklichen Wärter mit dem Gesicht zur Wand auf sein eigenes Bett und bedeckte ihn mit seinem eigenen Mantel, so daß jeder, der den Raum betrat, vermuten würde, daß er sich zum Schlafen hingelegt hatte. Er hatte zuvor die Vorsichtsmaßnahme getroffen, die Laken von seinem Bett abzuziehen und hatte sie nun nur zusammenzuknoten und aus dem Fenster seines Zimmers zu fliehen, das im oberen Stock des Hauses lag. Die Sonne ging unter und die Insassen der Anstalt waren beim Tee. Nachdem er knapp einer Entdeckung von einem der Arbeiter, die im Erdgeschoß tätig waren, entwichen war, war er über die Gartenmauer geklettert und hatte sich auf die andere Seite fallen lassen - als freier Mann!

Auf der Hauptstraße nach Manchester angekommen, trennten sich mein Mann und mein Bruder.
Roland, der ein ausgezeichneter Fußgänger war, brach nach Manchester zu Fuß auf. Er hatte Essen in seinem Rucksack und nahm sich vor, ungefähr zwölf oder fünfzehn Meilen auf der Straße zu laufen, bevor er in einer Stadt oder einem Dorf haltmachte. Mein Bruder, der körperlich nicht imstande war, ihn zu begleiten, kehrte zu dem Ort zurück, in dem ich damals wohnte, um mir die gute Neuigkeit zu erzählen.

Am nächsten Morgen reiste ich mit dem ersten Zug nach Manchester und nahm Unterkunft in einem Vorort der Stadt, der meinem Ehemann ebenso gut wie mir bekannt war. Ein steifer, dunstiger Platz war in der unmittelbaren Nachbarschaft gelegen; und wir hatten vereinbart, daß, wer immer von uns als erstes in Manchester eintreffen sollte, um den Platz spazierte, zwischen elf und eins nachmittags und zwischen sechs und sieben abends. Am Abend hielt ich die Vereinbarung ein. Ein staubiger, fußkranker Mann in schäbigen Kleidern mit einem scheußlichen Bart und einem Rucksack auf dem Rücken traf mich bei meinem ersten Rundgang. Er lächelte, als ich ihn ansah. Ah! Ich erkannte dieses Lächeln trotz aller Maskierungen. Trotz des Kanzleigerichts und der Lordrichter, lag ich wieder in den Armen meines Mannes.

Still lebten wir in unserem Schlupfwinkel einen Monat lang . Während dieser Zeit ließen (wie ich aus Briefen meines Bruders erfuhr) der Anstaltsleiter und die Personen, die mit Roland zu tun hatten, nichts, was mit Geld und Gerissenheit getan werden konnte, unversucht. Aber welche Gerissenheit kann einen Mann aufspüren, der nachts verkleidet flieht, der weder Eisenbahn noch Kutsche getraut hat und der Zuflucht in einer riesigen Stadt sucht, in der er keine Freunde hat? Am Ende unseres Monats in Manchester reisten wir nordwärts, überquerten den Kanal nach Irland und verbrachten angenehme zwei Wochen in Dublin. Als wir dies wieder verließen, machten wir uns auf den Weg nach Cork und Queenstown und gingen an letztgenanntem Ort (in einer Menge von Schiffspassagieren) an Bord eines Dampfschiffes nach Amerika.

Meine Geschichte ist erzählt. Ich schreibe diese Zeilen in einer Farm im Westen der Vereinigten Staaten. Unsere Nachbarn mögen freundlich sein; aber der rauheste von allen ist liebenswürdiger als ein Irrendoktor oder ein Lordrichter. Roland liebt diese landwirtschaftlichen Beschäftigungen, die immer seine Lieblingsbeschäftigungen waren; und ich bin glücklich mit Roland. Unser einziger Reichtum besteht aus meinem wenigen Vermögen, das ich von meiner lieben Mutter geerbt hatte. Nach Abzug unserer Reiseausgaben beläuft sich die Summe auf zwischen sieben- und achthundert Pfund; und das ist, wie wir finden, reichlich genug, um uns das neue Leben angenehm aufzubauen, das wir gewählt hatten. Wir erwarten meinen Vater und meinen Bruder nächsten Sommer zu Besuch und ich denke, es ist möglich, daß sie unseren Familienkreis um ein neues Mitglied in langen Kleidern bereichert finden werden. Gibt es hier keine Entschädigungen für das Exil von England und den Verlust eines Vermögens? Wir denken doch! Aber dann, meine liebe Miss Anstell, »Mary Bradings Mann ist verrückt und Mary Brading selbst ist nicht viel besser!«

Wenn Du Dich geneigt fühlst, Deine Meinung zu ändern und Dich an unsere alten Schultage ebenso zärtlich wie ich erinnerst, schreibe mir und erzähle es mir. Dein Brief wird weitergeleitet werden, wenn Du ihn an die beigelegte Adresse in New York sendest.

Währenddessen scheint die Moral unserer Geschichte eine ernsthafte Überlegung wert zu sein. Ein gewisser Engländer erbt legal ein großes Vermögen. Zur Zeit seiner Erbschaft lebte er drei Jahre lang als freier Mann - ohne einmal seine Freiheit zu mißbrauchen und mit der ausdrücklichen Billigung eines Chefarztes, der für ihn die Verantwortung trug. Seine nächsten Verwandten und seine gesetzlichen Erben (die vom Erbe ausgeschlossen worden waren) sahen mit habgierigen Augen auf das Geld und entschieden, dessen Verwaltung und unumschränkten Besitz zu erlangen. Sie wurden von einem Arzt unterstützt, dessen Kompetenz und Ehrlichkeit in Zweifel gezogen werden muß, und diese eigennützigen Personen können in diesem neunzehnten Jahrhundert des Fortschritts ihren Verwandten legal lebenslang einkerkern, in einem Land, das sich selbst frei nennt und das verkündet, daß seine Justiz jeden gleich behandelt.

NACHWORT - Der Leser wird hier darüber in Kenntnis gesetzt, daß diese Geschichte in allen wesentlichen Umständen auf einem Fall basiert, der sich vor acht Jahren tatsächlich in England ereignet hat.

Wilkie Collins


 

Anmerkungen des Übersetzers:
Die Geschichte wurde als Fortsetzungsroman in »All the year round« veröffentlicht, vom 17. bis 24. Oktober 1874

Übersetzung © Daniel Stark 2001


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