Deutsche Wilkie Collins Fanpage - Armadale - Sechster Band - Drittes Kapitel
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Armadale



Drittes Kapitel.

»Der Doctor wiederholte die Auskunft der Dienerin in einem Tone, aus dem unverkennbar heftiger Aerger sprach, daß er nicht weiter als bis zur Hausthür vorgelassen werden sollte.

»Ihre Herrin ist nicht wohl genug, um Besuch empfangen zu können? Geben Sie ihr diese Karte«, sprach er, »und sagen Sie ihr, das nächste Mal, wenn ich käme, erwartete ich, sie werde wohl genug sein, mich empfangen zu können.«

Hätte mir seine Stimme nicht deutlich verrathen, daß er sich gegen Mrs. Oldershaw nicht eben freundlich gesinnt fühlte, so hätte ich bestimmt unsere alte Bekanntschaft nicht geltend gemacht. Allein wie die Dinge lagen, fühlte ich mich getrieben, mit ihm oder mit sonst Jedem zu sprechen, der mit Mutter Jesabel ein Hühnchen zu pflücken hatte. Das war wohl mehr als meine kleine Rancune gegen sie. Jedenfalls schlüpfte ich rasch die Treppe hinunter und hinter dem Doctor aus der Thür tretend holte ich ihn bald auf der Straße ein.

Wie ich seine Stimme erkannt hatte, so erkannte ich jetzt seinen Rücken, als ich ihm nachging. Als ich ihn indeß bei seinem Namen rief und er einigermaßen betroffen sich umdrehte und vor mir stand, war ich meinerseits betroffen. Das Gesicht des Doctors war vollkommen metamorphosirt! Sein kahler Kopf stak unter einer künstlich graumelirten Perücke. Er hatte sich den Backenbart wachsen lassen und ihn gefärbt, damit er zu seiner Haartour paßte. Eine häßliche Brille mit großen runden Gläsern thronte anstatt des zierlichen Augenglases, dessen er sich sonst zu bedienen pflegte, auf seiner Nase, und ein schwarzes Halstuch, welches ein ungeheuerer Hemdkragen überragte, erschien als der unwürdige Nachfolger der geistlich weißen Cravatte von ehedem. Nichts blieb an dem Manne, wie ich ihn einst kannte, als die behagliche Beleibtheit seiner Figur und die vertrauliche Verbindlichkeit und Sanftheit seiner Stimme und Manier.

»Freue mich, Sie wiederzusehen«, sagte er, sich etwas ängstlich umsehend und seine Visitenkartentasche äußerst hastig hervorziehend. »Aber, meine liebe Miß Gwilt, erlauben Sie mir, daß ich einen kleinen Irrthum Ihrerseits berichtige. Doctor Downward von Pimlieo ist todt und begraben und Sie werden mich außerordentlich verpflichten, wenn sie ihn unter keiner Bedingung je wieder erwähnen.«

Ich nahm die Karte, die er mir darbot, und entdeckte, daß ich jetzt mit »Doctor Le Doux vom Sanatorium Fairweather-Vale in Hampstead« zu sprechen hatte, wenn ich dem neuen Namen meines alten Bekannten gerecht werden wollte.

»Sie scheinen es für nöthig erachtet zu haben«, sagte ich, »sehr Vieles zu verändern, seit ich Sie zum letzten Male gesehen habe. Ihren Namen, Ihre Wohnung, Ihre persönliche Erscheinung ——«

»Und die Specialität meiner Praxis«, fiel der Doctor ein. »Ich habe von dem ursprünglichen Besitzer, einem Mann von wenig Unterenehmungsgeist und ohne Hilfsquellen, einen Namen, ein Diplom und ein zur Aufnahme von Nervenkranken bestimmtes, nur erst theilweise vollendetes Sanatorium gekauft. Wir sind bereits so weit, einigen bevorzugten Freunden einen Blick in unser Etablissement gestatten zu können; kommen Sie und besuchen Sie uns. Gehen Sie meinen Weg? Bitte, nehmen Sie meinen Arm und sagen Sie mir, welchem glücklichen Zufall ich das Vergnügen verdanke, Sie wiederzusehen?«

Ich unterrichtete ihn von den Umständen, genau wie sie statt gehabt hatten, und setzte hinzu, um mich seiner Beziehungen zu seinen früheren Verbündeten in Pimlico zu vergewissern, daß ich höchlichst erstaunt gewesen sei, vor einem so alten Bekannten, wie er es sei, Mrs. Oldershaw’s Thür verschlossen zu sehen. Vorsichtig, wie er war, that mir doch die Art und Weise, wie er meine Bemerkung aufnahm, sofort dar, daß mein Verdacht in Betreff einer Entfremdung wohlbegründet war. Sein Lächeln verschwand und ärgerlich und aufgeregt setzte er seine häßliche Brille auf seinem Nasensattel fest.

»Verzeihen Sie gefälligst, wenn ich die Beantwortung dieser Frage ganz Ihrem eigenen Scharfsinne überlasse«, sagte er. »Leider ist mir unter den obwaltenden Umständen eine Unterhaltung über Mrs. Oldershaw nichts weniger als angenehm. Eine geschäftliche Verlegenheit, die mit unserer früheren Verbindung in Pimlico im Zusammenhange sieht, ohne alles Interesse für eine elegante und geistreiche junge Dame wie Sie. Was haben Sie mir Neues zu erzählen? Haben Sie Ihre Stellung in Thorpe-Ambrose aufgegeben? Wohnen Sie jetzt in London? Kann ich in irgend einer Weise, in meinem Beruf oder sonst wie Ihnen dienen?«

Diese letzte Frage war von größerer Bedeutung für mich, als er ahnte. Bevor ich antwortete, fühlte ich die Notwendigkeit, mich von seiner Gesellschaft los zu machen und eine kleine Frist zur Ueberlegung zu gewinnen.

»Sie haben mich gütig um meinen Besuch gebeten, Doctor«, sagte ich. »Sehr wahrscheinlich, daß ich in Ihrem stillen Hause in Hampstead Ihnen etwas zu sagen habe, was ich Ihnen in der lärmenden Straße hier nicht sagen kann. Wann treffe ich Sie in Ihrem Sanatorium? Vielleicht zu einer späteren Stunde noch heute?«

Der Doctor versicherte mir, er sei eben auf dem Nachhausewege begriffen, und bat mich, selbst die Stunde meines Besuchs zu bestimmen. »Nachmittags«, sagte ich, und eine anderweitige Verabredung vorschützend, rief ich den ersten der vorüberfahrenden Omnibusse an. »Vergessen Sie die Adresse nicht«, sprach der Doctor, während er mir in den Wagen half. »Ich habe ja Ihre Karte«, antwortete ich, und so schieden wir.

Ich begab mich nach dem Hotel zurück und in mein Zimmer, wo ich mich sehr ernstem Nachdenken überließ.

So unverrückt wie zuvor stand mir das ernste Hinderniß der Unterschrift im Trauungsregister noch immer im Wege. Alle Hoffnung, bei Mrs. Oldershaw Hilfe zu finden, war dahin. Fortan konnte ich sie nur als eine im Verborgenen lauernde Feindin betrachten, die Feindin, die, wie ich jetzt nicht mehr zweifeln konnte, mich verfolgt und belauert hatte, als ich das letzte Mal in London war. Wohin konnte ich mich sonst um den Rath wenden, den mich meine unselige Geschichts- und Gesetzunkenntniß bei Erfahreneren, als ich es bin, zu suchen zwingt? Konnte ich zu dem Sachwalter gehen, den ich consultirte, als ich Mitwinter gern unter meinem Mädchennamen heirathen wollte? unmöglich! Ganz abgesehen von der kalten Aufnahme, die er mir bei meinem letzten Besuche zu Theil werden ließ, bezog sich der Rath, den ich diesmal brauchte —— bemäntle ich die Thatsachen noch so sehr —— auf die Vollführung eines Betrugs, eines Betrugs, wie ihn kein respectabler Rechtsanwalt fördern helfen würde, der noch Namen und Charakter zu verlieren hat. Gab es sonst eine andere competente Persönlichkeit, an die ich denken konnte? Es gab eine und nur diese eine —— den Doctor, welcher in Pimlico gestorben und in Hampstead wieder ausgelebt war.

Ich wußte, daß er keine Scrupel kannte, daß er die Geschäftserfahrung besaß, die mir abging, und so gescheidt, verschlagen und weitsichtig war wie nur irgend ein Mann in London. Ueberdies hatte ich heute Morgen zwei wichtige Entdeckungen gemacht, die ihn berührten. Erstens stand er auf keinem guten Fuße mit Mrs. Oldershaw, was alle Gefahr ausschloß, daß wenn ich ihm traute, sich die Beiden wider mich verbinden möchten. Zweitens nöthigten ihn die Verhältnisse noch immer, sich unter falscher Hülle sorgfältig zu verstecken, woraus mir eine Gewalt über ihn erwuchs, wie er sie in keiner Beziehung je größer über mich gewinnen konnte. Unter solchen Umständen war es so nach für meine Zwecke der rechte, der einzige Mann, und dennoch trug ich Bedenken, zu ihm zu gehen, zauderte eine volle Stunde und länger, ohne zu wissen warum.

Es war zwei Uhr, als ich mich endlich entschloß, dem Doctor einen Besuch zu machen. Nachdem ich hierauf fast noch eine ganze Stunde mit der Ueberlegung verbracht hatte, wie weit ich ihn ins Vertrauen ziehen sollte, sandte ich schließlich nach einem Cab und machte mich nach drei Uhr auf den Weg nach Hampstead.

Ich hatte einige Schwierigkeit, das Sanatorium zu finden.

Fairweather-Vale stellte sich als eine ganz neue Gegend dar, südlich unter dem Plateau von Hampstead gelegen. Der Tag war trübe und der Ort sah sehr trist aus. Den Zugang zu demselben bildete eine alte Allee, die vordem die Parkavenue eines Landsitzes gewesen sein mochte. An ihrem Ende gelangten wir zu einer Wildniß von freiem Lande, aus dem hier und da halbfertige Villen aufragten und wo ein häßliches Ensemble von Bretern, Schubkarren und Baumaterialien aller Art nach rechts und links den Weg versperrte. In einem Winkel dieser Scene der Verwüstung stand ein trübseliges, hochaufgeschossenes, großes Haus mit schwarzbraunem Stuck überkleidet und von einem kahlen, unfertigen Garten umgeben, ohne Busch oder Blume darin —— ein schauerlicher Anblick. An der offenstehenden eisernen Thür, die in die Umzäunung führte, befand sich eine neue Messingplatte, auf welcher in großen schwarzen Buchstaben Sanatorium zu lesen war. Der Droschkenkutscher zog die Glocke, ihr Schall hallte durch das öde Haus wie eine Todtenglocke, und der bleiche, verwitterte, alte, schwarzgekleidete Diener, der auf das Geläute erschien, sah aus, als wäre er eben dem Grabe entstiegen, um seine Pförtnerpflicht zu erfüllen. Der Geruch von nassem Pflaster und neuem Firniß strömte mir aus dem Hause zu, während von mir der kältende Hauch der feuchten Novemberluft in dieses eindrang. Im Augenblicke selbst achtete ich nicht darauf, wie ich indeß jetzt schreibe, entsinne Ich mich, daß mich schauderte, als ich die Schwelle überschritt.

Ich gab dem Diener als meinen Namen Mrs. Armadale an und wurde in den Wartesaal geführt. Die Feuchtigkeit ließ selbst das Feuer auf dem Kaminroste nicht aufkommen. Die einzigen Bücher, welche auf dem Tische lagen, waren des Doctors eigene Schriften, in nüchternen schwarzbraunen Einbänden, und der einzige Gegenstand, der die Wände schmückte, war das fremde Diplom unter Glas und Rahmen, welches der Doctor zugleich mit dem fremden Namen käuflich an sich gebracht hatte.

Nach ein paar Minuten trat der Eigenthümer des Sanatoriums ein und hielt in freudigem Erstaunen, als er mich erblickte, die Hände in die Höhe.

»Ich hatte keine Idee, wer Mrs. Armadale wäre«, sagte er« »Meine liebe Dame, haben Sie auch Ihren Namen gewechselt? Wie hinterlistig von Ihnen, mir bei unserm Zusammentreffen diesen Morgen nichts davon zu sagen! Kommen Sie in mein Privatzimmer, es kann mir nicht einfallen, eine alte und theure Freundin wie Sie in dem allgemeinen Patientenwartezimmer zu empfangen.«

Das Privatzimmer des Doctors lag nach hinten heraus und sah auf Felder und Bäume, die wohl dem Untergang geweiht, aber vom Baumeister noch nicht zerstört waren. Schreckliche Gegenstände in Glas, Messing und Leder, verschlungen und gewunden, als wären sie fühlende Wesen, die sich vor Schmerz und Todesangst krümmten, nahmen das eine Ende des Zimmers ein. Ein großer Bücherschrank mit Glasthüren erstreckte sich über die ganze gegenüberliegende Wand und zeigte auf seinen Regalen lange Reihen von Glasgefäßen, worin in einer gelben Flüssigkeit formlose todte Geschöpfe von einem monotonen Weiß schwammen. Ueber dem Kamin hing eine Sammlung photographischer Portraits von Männern und Frauen in zwei großen Rahmen, die in kleinem Zwischenraume neben einander angebracht waren. Der Rahmen zur Linken stellte in Bildern en face die verschiedenen Wirkungen von Nervenleiden vor, der zur Rechten die Verheerungen, welche der Wahnsinn im Gesichte der Menschen hervorbringt; den Zwischenraum zwischen beiden zierte ein elegant illuminiertes Blatt mit dem altehrwürdigen Motiv: »Besser vorgebeugt als curirt.«

»Da bin ich mit meinem galvanischen Apparat und meinen präparierten anatomischen Raritäten und was sonst noch dazu gehört«, begann der Doctor, während er mich in einen Stuhl neben dem Kamin drückte. »Und gerade über Ihnen bittet mein »System« stumm um Ihr Interesse, in einer Gestalt, die ich ihnen jetzt ganz offen und rückhaltslos darlegen will. Das Haus hier ist kein Irrenhaus, meine liebe Freundin. Mögen Andere den Wahnsinn behandeln, wie sie Wollens ich komme ihm zuvor. Bis jetzt sind noch keine Kranken im Hause, allein wir leben in einer Zeit, wo Nervenzerrüttung —— eine Schwester des Wahnsinns —— in steter Zunahme begriffen ist, und bald genug werden sich Leidende einstellen. Ich kann warten, wie Harvey und wie Jenner gewartet hat. Jetzt aber stemmen Sie Ihre Füße hier auf das Kamingitter und erzählen Sie mir von Ihnen selbst. Natürlich sind Sie verheirathet? Und was für ein hübscher Name! Empfangen Sie meine besten und herzlichsten Glückwünsche Sie besitzen die beiden größten Segnungen, welche das Geschick dem Weibe spenden kann: einen Gatten und ein Daheim!«

Bei der ersten passenden Gelegenheit unterbrach ich den genialen Fluß von des Doctors Beredtsamkeit.

»Ich bin verheirathet; die Verhältnisse sind jedoch keineswegs gewöhnlicher Art«, sagte ich ernst. »Meine derzeitige Lage weiß nichts von den Segnungen, wie sie in der Regel und der Annahme nach dem Weibe zu Theil werden. Bereits bin ich in einer Situation, die ihre sehr ernsten Verlegenheiten hat, und binnen kurzem dürfte ich mich sogar in einer Lage befinden, wo mir sehr ernste Gefahren drohen.«

Der Doctor schob seinen Stuhl etwas näher zu mir heran und fiel sofort in seine alte ärztliche Manier und seinen alten confidentiellen Ton.

»Wenn Sie mich consultiren wollen«, sagte er sanft, »so wissen Sie ja, daß ich in letzter Zeit sehr gefährliche Geheimnisse zu bewahren verstanden habe, und auch das ist Ihnen bekannt, daß ich zwei an einem Rathgeber sehr werthvolle Eigenschaften besitze. Ich erschrecke nicht so leicht und es kann mir unbedingt vertraut werden.«

Selbst jetzt, in der elften Stunde, wo ich mit ihm allein in seinem Privatzimmer saß, zögerte ich noch. Es war mir so neu und ungewohnt, Jemand anders als mir selbst zu trauen! Und doch, wie konnte ich es umgehen, in einer Verlegenheit, wo es sich um eine Frage von Recht und Gesetz handelte, Jemand anders zu Rathe zu ziehen?

«Ganz wie Sie wollen, das wissen Sie«, setzte der Doctor hinzu. »Ich fordere vertrauliche Mittheilungen nie heraus, ich pflege sie nur zu empfangen.«

Da gab’s nun keinen Ausweg mehr; ich war nicht gekommen, zu zögern, sondern zu sprechen. Ich riskierte es und sprach:

»Die Angelegenheit, in der ich Sie gern consultiren möchte, liegt nicht, wie Sie zu denken scheinen, innerhalb des Vereichs Ihrer ärztlichen Praxis. Ich glaube indeß, Sie werden mir Beistand gewähren können, wenn ich Ihrer größeren Praxis als Mann von Welt vertraue. Zuvor aber mache ich Sie darauf aufmerksam, daß ich Sie bestimmt überrasche und möglicherweise erschrecke, ehe ich mit meiner Geschichte zu Ende bin.«

Nach dieser Einleitung begann ich meine Rede und sagte ihm, was ich beschlossen hatte, ihm zu sagen, nicht mehr.

Von vornherein machte ich kein Geheimniß daraus, daß ich willens sei, Armadales Wittwe vorzustellen, und nannte ohne Rückhalt —— ich wußte ja, daß der Doctor auf das Bureau gehen und selbst das Testament einsehen konnte —— das hübsche Einkommen, das mir im Falle meines Erfolgs ausgesetzt werden würde. Einige Umstände, die in nächster Linie bedacht sein wollten, hielt ich für nothwendig zu verändern oder zu verheimlichen. Ich zeigte ihm das Zeitungsblatt, das den Untergang der Yacht berichtete, von den Begebnissen in Neapel aber sagte ich ihm nichts; setzte ihn von der Gleichheit der beiden Namen in Kenntniß, ihn in dem Wahne lassend, sie sei eine zufällige; erzählte ihm, als wichtiges Moment in der Sache, daß mein Mann außer mir vor Jedem seinen wahren Namen verheimlicht habe; um aber jedweden Verkehr zwischen ihnen zu verhindern, verbarg ich ihm sorgfältig, unter was für einem angenommenen Namen Midwinter die ganze Zeit seines Lebens existiert hatte. Ich bekannte, daß ich meinen Gatten auf dem Festlande zurückgelassen; als indes; der Doctor danach fragte, ließ ich ihn schließen —— mit aller meiner Entschlossenheit konnte ich es ihm nicht positiv sagen —— daß Mitwinter um den beabsichtigten Betrug wisse und daß er sich geflissentlich fern halte, um mich durch seine Gegenwart nicht zu compromittiren. Nachdem diese Schwierigkeit geebnet oder, wie ich’s jetzt fühle, diese Niederträchtigkeit begangen war, kehrte ich zur Wahrheit zurück. Einen nach dem andern erwähnte ich alle die Umstände, von denen meine geheime Heirath begleitet war und die Armadales und Midwinter’s Thun und Treiben betrafen, um darzulegen, daß jede Entdeckung der falschen Rolle, welche ich zu spielen gedachte, durch die Evidenz Anderer eine pure Unmöglichkeit sei. »So viel«, sagte ich, »über mein Vorhaben. Jetzt muß ich Ihnen ohne Umschweif von einem sehr ernstlichen Hinderniß erzählen, das mir im Wege steht.«

Der Doctor, welcher mir bis hierher ohne Unterbrechung seinerseits zugehört hatte, bat mich nun, ihm ein paar Worte zu gestatten, ehe ich fortführe.

Die paar Worte waren sämtlich Fragen, gescheidte, forschende, argwöhnische Fragen, die ich jedoch fast; ohne jeglichen Rückhalt beantworten konnte, denn sie bezogen sich beinahe alle auf die Verhältnisse, unter welchen meine Verheirathung stattgefunden, und auf die Chancen pro oder contra, die mein rechtmäßiger Gatte hätte, wenn es ihm später einfallen sollte, seine Ansprüche an mich geltend zu machen.

Zuerst erwiderte ich dem Doctor, daß ich in Thorpe-Ambrose Alles so einzurichten gewußt habe, um allgemein das Gerücht zu verbreiten, als hätte ich Armadale heirathen wollen; sodann, daß das frühere Leben meines Mannes nicht der Art gewesen sei, ihn in den Augen der Welt vortheilhaft zu präsentieren, und drittens, daß wir ohne anwesende Zeugen, die uns kannten, in einer großen Pfarrkirche an dem nämlichen Morgen getraut worden seien, an welchem zwei andere Paare verbunden worden wären, von den Dutzenden und aber Dutzenden von Paaren gar nicht zu reden, die seitdem in der selben Kirche copulirt worden, sodaß sich die Erinnerung an uns bei den officiell betheiligten Personen längst verwischt haben müsse. Als ich dem Doctor diese Facta mitgetheilt und er sich ferner vergewissert hatte, daß Midwinter und ich unmittelbar nach der kirchlichen Ceremonie ins Ausland und unter Fremde gereist waren, und daß die Mannschaft der Yacht, auf der Armadale —— vor meiner Verheirathung —— von Sommersetshire abgefahren, jetzt auf Schiffen diente, welche die Reise um die Welt machten, da zeigte sich sein Vertrauen auf meine Aussichten deutlich auf seinem Gesichte. »Soweit ich es beurtheilen kann«, sagte er, »würde Ihr Mann, wenn Sie einmal die Stelle von Mr. Armadale’s Wittwe eingenommen haben, seine Ansprüche auf Sie auf nichts Anderes als auf seine eigene nackte Behauptung gründen können. Und dem, denke ich, werden Sie ruhig Trotz zu bieten vermögen. Entschuldigen Sie, wenn ich anscheinend einem Gentleman mißtraue. Es könnten indeß zwischen Ihnen und ihm später einmal Mißverständnisse eintreten, und darum ist es höchst wünschenswerth vorher genau zu wissen, was er unter solchen Umständen vermöchte oder nicht vermöchte. Jetzt aber, wo wir mit dem Haupthinderniß fertig sind, das ich auf Ihrem Wege zum Erfolge erblicke, lassen Sie uns auf das Hinderniß kommen, das Sie ferner vor Augen haben.«

Ich kam sehr gern darauf. Der Ton, in dem er von Midwinter sprach, berührte mich außerordentlich unangenehm, obschon ich selbst daran schuld war, und weckte in mir für den Augenblick etwas von dem alten thörichten Gefühl, das ich längst auf immer zur Ruhe gebettet wähnte. Begierig ergriff ich die Gelegenheit, das Gesprächsthema zu wechseln, und erwähnte die Verschiedenheit der Handschrift, in der Midwinter den Namen Allan Armadale ins Kirchenbuch eingetragen hatte, von der Handschrift, in der Armadale von Thorpe-Ambrose seinen Namen zu unterzeichnen pflegte, mit einem Eifer, welchen der Doctor mit Ergötzen zu bemerken schien.

»Ist das Alles?« fragte er zu meiner unendlichen Ueberraschung und Erleichterung als ich geendet hatte. »Meine theure Dame, bitte, beruhigen Sie sich! Wenn die Sachwalter des seligen Mr. Armadale eine Urkunde Ihrer Verheirathung begehren, so werden sie sich nicht an das Kirchenbuch wenden, das kann ich Ihnen Versprechen?

»Was!« rief ich erstaunt aus. »Meinen Sie, daß der Eintrag in das Kirchenbuch kein Beweis meiner Verheirathung sei?«

»Es ist ein Beweis«, antwortete der Doctor, »daß Sie mit Jemand getraut worden sind, allein kein Beweis, daß Sie Mr. Armadale von Thorpe-Ambrose geheirathet haben. Jack Rokes oder Tom Styles —— entschuldigen Sie diesen trivialen Vergleich —— hätten sich den Erlaubnißschein verschaffen und zur Kirche begeben können, um sich mit Ihnen unter Mr. Armadale’s Namen trauen zu lassen, und das Kirchenbuch —— wie könnte es anders! —— hätte in solchem Falle unschuldig an dem Betrug Theil nehmen müssen. Ich sehe, das befremdet Sie, aber, meine Verehrteste, als Sie mit mir in diese interessante Verhandlung traten, da hat es mich befremdet, wie ich jetzt nur gestehen will, daß Sie so viel Aufhebens über die seltsame Gleichheit der beiden Namen machten. Sie hätten das sehr kühne und romantische unternehmen, mit welchem Sie gegenwärtig beschäftigt sind, ganz ebenso gut beginnen können, wenn sie auch Ihren jetzigen Gatten gar nicht geheirathet hätten. Jeder andere beliebige Mann hätte die Stelle vertreten, vorausgesetzt, daß er bereitwillig gewesen wäre, zu dem Zwecke Mr. Armadale’s Namen anzunehmen.«

Ich wurde ärgerlich über diese Worte des Doctors. »Nicht jeder beliebige Manns versetzte ich heftig, »würde mir zu meinem Vorhaben gedient haben; ohne die Gleichheit der beiden Namen wäre ich nun und nimmermehr auf die Idee gekommen!«

Der Doctor gab zu, daß er zu weit gegangen sei. »Ich gestehe«, sagte er, »daß ich an diese persönliche Ansicht von der Sache nicht gedacht habe. Indeß lassen Sie uns aus unser eigentliches Thema zurückkommen. Im Laufe meines, wie ich es wohl nennen kann, abenteuerlichen ärztlichen Lebens bin ich mehr als einmal mit den Herren vom Jus zusammengekommen und habe mannichfache Gelegenheit gehabt, ihr Verhalten in der, wenn ich mich so ausdrücken soll, häuslichen Jurisprudenz zu beobachten. Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich Ihnen sage, daß der Beweis, welchen Mr. Armadales Vertreter verlangen werden, der Ausspruch eines Zeugen des Acts sein wird, welcher die Identität von Braut und Bräutigam aus seiner eigenen persönlichen Bekanntschaft bestätigen kann?

»Ich habe Ihnen schon mitgetheilt«, nahm ich das Wort, »daß keine solche Person zugegen gewesen ist.«

»Ganz recht«, versetzte der Doctor »In dem Falle thut Ihnen, ehe Sie mit Sicherheit einen weiteren Schritt in der Sache wagen können, vor allem ein rasch fabricirter Zeuge von seltenen moralischen und persönlichen Eigenschaften noth, dem man zutrauen kann, daß er sich den erforderlichen Charakter zu verleihen weiß und vor einer Behörde die nothwendige Erklärung abgibt. Kennen Sie etwa eine solche Person?« fragte der Doctor, indem er sich in seinen Stuhl zurückwarf und mich in höchster Unschuld ansah.

»Ich kenne nur Sie«, sagte ich.

Der Doctor lächelte. »Ganz wie ein Frauenzimmer! bemerkte er mit empörendem Humor. »Im Augenblicke, wo es sein Ziel erblickt, stürzt es sich kopfüber auf den nächsten Weg, der dahin führt. O, das weibliche Geschlecht, das Geschlecht!«

»Denken Sie nicht an das Geschlecht«, sprudelte ich ungeduldig heraus. «Ich verlange eine ernste Antwort —— ja oder nein?«

Der Doctor stand auf und zeigte in höchster Gravität und Würde mit der Hand im Zimmer umher. »Sie sehen dies große Etablissement«, begann er; »vielleicht können Sie einigermaßen schätzen, wie viel für mich auf dem Spiele steht, daß es gedeiht und prosperiert. Ihr vortrefflicher natürlicher Verstand wird Ihnen sagen, daß der Chef dieses Sanatoriums ein Mann von unbeflecktem Charakter sein muß ——«

»Warum so viele Worte verschwenden«, fiel ich ein, »wo ein einziges genügt. Sie meinen nein!«

Der Chef des Sanatoriums fiel sofort in den Charakter meines vertrauten Freundes zurück.

»Meine liebe Madame«, sagte er, »augenblicklich heißt es nicht ja und heißt es nicht nein. Lassen Sie mir Zeit bis Morgen Nachmittag. Bis dahin verpflichte ich mich, zu einem von Beidem bereit zu sein, entweder mich sofort aus diesem Handel herauszuziehen oder mit Herz und Seele mich daran zu betheiligen. Sind Sie damit einverstanden? Gut, so können wir also bis morgen das Thema fallen lassen. Wo darf ich Ihnen aufwarten, wenn ich meinen Entschluß gefaßt habe?«

Ich hatte kein Bedenken, ihm meine Adresse zu geben. Im Hotel hatte ich mich vorsorglich als Mrs. Armadale eingeschrieben und Midwinter das nächste Postamt genannt, wohin er die Antworten auf meine Briefe richten solle. Wir stellten die Stunde fest, wo der Doctor bei mir vorsprechen sollte, und als dies abgethan, erhob ich mich, zu gehen, alle Anerbietungen von Erfrischungen und ebenso alle Anträge, mich im Etablissement umherführen zu wollen, ausschlagend. Daß er, nachdem wir uns doch gegenseitig vollkommen verstanden hatten, noch immer den Schein bewahren wollte, ärgerte mich. Sobald ich konnte, eilte ich hinweg und zu meinem Tagebuche und meinem Gasthofzimmer heim.

Morgen werden wir sehen, wie die Sache abläuft. Ich glaube, mein Vertrauter Freund wird ja sagen.

Ich habe recht vermuthet, der Doctor hat ja gesagt, allein unter Bedingungen, die ich nicht geahnt habe. Die Bedingung, unter der mir seine Dienste zu Gebote stehen, besteht in nichts Geringerem, als daß ich ihm, sobald ich die Stelle von Armadale’s Wittwe wirklich einnehme, die Hälfte meiner ersten Jahresrente, mit andern Worten sechshundert Pfund bezahlen muß!

Auf alle nur erdenkliche Weise protestierte ich gegen eine so übertriebene Forderung. Alles umsonst. Der Doctor entgegnete mir mit der verbindlichsten Offenheit. Nichts, sagte er, als die Verlegenheit, in der er sich zufällig befinde, würde ihn überhaupt vermocht haben können, sich mit der Sache zu befassen. Er müsse offen bekennen, daß er durch den Ankauf und die Einrichtung des Sanatoriums nicht blos seine eigenen, sondern auch die Mittel Anderer erschöpft habe, welche er als Förderer seines Unternehmens bezeichnete. Unter solchen Umständen wären sechshundert Pfund für ihn ein Kapital. Für diese Summe wolle er das Risico laufen, mir zu rathen und zu helfen; kein Heller weniger könnte ihn reizen. Und damit gab er die Angelegenheit mit seinen besten und freundschaftlichsten Wünschen ganz in meine Hände.

Der Ausgang war, wie er eben nicht anders sein konnte. Mir blieb keine Wahl, ich mußte seine Bedingung annehmen und mit ihm auf der Stelle die Sache in Richtigkeit bringen. Sowie wir einmal im Reinen waren, ließ er das Gras nicht unter seinen Füßen wachsen, diese Gerechtigkeit muß ich ihm wiederfahren lassen. Rasch rief er nach Tinte, Feder und Papier, um noch mit der Nachtpost den Feldzug auf Thorpe-Ambrose zu eröffnen.

Wir vereinigten uns über die Form des Briefs, welchen ich schrieb und den er ungesäumt copirte. Von vornherein ging ich auf keine Details ein; ich behauptete einfach, daß ich die Wittwe des verstorbenen Armadale, daß ich insgeheim mit ihm verheirathet gewesen, daß ich, nachdem er Neapel und seine Yacht verlassen habe, nach England heimgekehrt sei und mir erlaube, eine Copie meines Trauscheins beizulegen, als eine Sache der Form, wie sie wohl gewöhnlich erfüllt werde. Der Brief war an die »Vertreter des seligen Allan Armadale, Esq., von Thorpe-Ambrose in Norfolk« adressiert und der Doctor selbst nahm ihn mit und trug ihn auf die Post.

Jetzt, wo der erste Schritt gethan ist, sehe ich nicht mehr so ungeduldig und aufgeregt dem Erfolge entgegen, wie ich erst gedacht hatte. Midwinter’s Bild verfolgt mich wie ein Gespenst; um den Schein zu bewahren, habe ich ihm, wie früher schon, wieder geschrieben. Es wird mein letzter Brief sein, glaube ich. Mein Muth ist erschüttert, meine Seele beklommen, wenn ich an Turin zurückdenke. Der Tag der Abrechnung mit ihm, einst fern und zweifelhaft, wer weiß, wie bald er mir nun kommen mag. Und da vertraue ich noch immer auf den Zufall!

Den 25. November. Heute um zwei Uhr kam der Doctor wie verabredet. Er ist bei seinen Advocaten gewesen, natürlich ohne sie ins Vertrauen zu ziehen, einfach, um ihnen den Beweis meiner Verheirathung vorzulegen. Dass Resultat ist so ausgefallen, wie er es mir vorausgesagt hat. Der Punkt, um welchen sich die ganze Geschichte drehen wird, wenn man meinen Anspruch bestreitet, wird die Frage der Identität sein, und es dürfte nothwendig werden für den Zeugen, daß er noch vor Ablauf der Woche seine Erklärung vor der Behörde abgibt.

Bei so bewandten Umständen erachtet es der Doctor für unerläßlich, daß wir uns einander leicht erreichen können, und schlägt mir vor, in seiner Nachbarschaft mir eine ruhige Wohnung zu verschaffen. Ich bin völlig bereit, überall hinzugehen, denn wie ich so viele Einbildungen habe, so bilde ich mir auch ein, daß ich für Midwinter vollständiger verloren sein werde, wenn ich mich aus der Gegend weg begebe, wohin er seine Briefe an mich adressiert. Die letzte Nacht, die ich nicht schlafen konnte, dachte ich an ihn. Heute Morgen habe ich endgültig beschlossen, nicht mehr an ihn zu schreiben.

Nach einer halben Stunde verließ ich den Doctor. Zuvor fragte er mich noch, ob ich ihn nicht nach Hampstead begleiten wolle, um mich gleich nach einer Wohnung umzuthun. Ich theilte ihm mit, daß mich noch Geschäfte in London zurückhielten »Morgen oder übermorgen werden Sie erfahren, was für Geschäfte dies sind«, antwortete ich ihm, als er sich danach erkundigte.

Wieder allein, ward ich von einem nervösen Zittern befallen. Mein Geschäft, das beiläufig für eine Frau ein sehr wichtiges war, ermahnte mich unwillkürlich an Midwinter. Die Idee einer neuen Wohnung hatte mich an die Nothwendigkeit erinnert, mich meinem neuen Charakter gemäß zu kleiden, die Zeit war gekommen, wo ich mir meine Wittwentrauer besorgen mußte.

Zuerst hatte ich mich mit Geld zu versehen. Nur durch den Verkauf des Rubinringes, den mir Armadale zum Hochzeitsgeschenk gemacht hatte, erhielt ich, was ich brauchte. Es stellte sich heraus, daß es ein werthvollerer Juwel war, als ich geglaubt hatte, sodaß ich wahrscheinlich auf einige Zeit aller finanziellen Verlegenheit überhoben bin.

Vom Goldschmied verfügte ich mich zu dem bekannten großen Trauermagazine in Regent-Street. In vierundzwanzig Stunden, wenn ich ihnen nicht mehr Zeit lassen könne, haben sie sich dort verbindlich gemacht, mich vom Kopf bis zu den Füßen in Schwarz zu stecken. Mit einem neuen fieberhaften Schauer verließ ich den Laden, und um an diesem bewegten Tage noch mehr Aufregung zu haben, fand ich bei meiner Rückkunft im Hotel eine Ueberraschung meiner harrend. Ein ältlicher Herr, so sagte man mir, warte auf mich. Ich machte mein Zimmer auf und —— da saß der alte Bashwood.

Am Morgen hatte er meinen Brief empfangen und war, diesen in Person zu beantworten, sofort mit dem nächsten Zug nach London gefahren. Wohl hatte ich viel von ihm erwartet, so viel aber doch nicht. Es schmeichelte mir, für den Moment, gestehe ich, schmeichelte es mir.

Die Entzückungen und Vorwürfe, das Schluchzen und Weinen, die langweiligen Expectorationen des elenden alten Geschöpfes über die einsamen Tage, die er, verlassen von mir, in dumpfem Brüten in Thorpe-Ambrose verbracht habe, übergehe ich. Zu Zeiten ward er ganz beredt, seine Beredtsamkeit aber kann ich hier nicht brauchen. Natürlich setzte ich mich erst mit ihm auseinander und sondierte seine Empfindungen, ehe ich ihn fragte, was er mir Neues bringe. Welche Wohlthat manchmal die Eitelkeit des Weibes ist! In meinem Bemühen, liebenswürdig zu sein, vergaß ich fast meine Gefahren und Verpflichtungen. Ein paar Minuten fühlte ich selbst einen kleinen Kitzel des Triumphs. Und es war ein Triumph, selbst einem alten Manne gegenüber! In einer Viertelstunde hing er lächelnd und schmunzelnd und wie verzückt an meinen unbedeutendsten Worten und antwortete auf alle meine Fragen wie ein gutes kleines Kind.

Da ist der Bericht der Thorpe-Ambroser Zustände und Verhältnisse, wie ich ihn Brocken für Brocken dem alten Manne entlockte.

Die Kunde von Armadales Tod hat bereits Miß Milroy erreicht. Sie ist vollkommen zu Boden geschmettert davon, sodaß ihr Vater sie hat aus der Pension nehmen müssen. Jetzt ist sie wieder zu Hause und der Arzt besucht sie täglich. Bedaure ich sie? Ja! Ich bedaure sie gerade so sehr, wie sie einst mich bedauert hat!

Die Zustände im Herrenhause, die ich ziemlich unbegreiflicher Art erwartete, sind völlig unverständlich und sicher nicht eben ermuthigend. Erst gestern sind die Sachwalter beider Parteien zu einer Vereinbarung gelangt. Mr. Darch, der Anwalt der Blanchards und vordem Armadale’s bitterer Feind, vertritt die Interessen von Miß Blanchard, welche die nächste Erbin des Gutes ist und, wie es scheint, vor einiger Zeit sich in eigenen Angelegenheiten in London aufgehalten hat. Mr. Smart von Norwich, ursprünglich nur beauftragt, Bashwoods Intendantur zu controliren, vertritt den verstorbenen Armadale. Der erstere hat den Besitz des Gutes und das Recht, die Pachtsummen am nächsten Weihnachtsfeiertage in Empfang zu nehmen, für seine Clientin beansprucht. Mr. Smart seinerseits räumt ein, daß alle Umstände für Mr. Darch sprechen, da er keinen Grund findet, Armadales Tod zu bestreiten, und wird den Intentionen Mr. Darch’s keinen Widerstand entgegensetzen, wenn dieser alle Verantwortlichkeit einer Besitzergreifung für Miß Blanchard übernehmen will. Dies hat nun Mr. Darch bereits gethan, und das Gut ist factisch schon in Miß Blanchard’s Besitze.

Wie Bashwood meint, wird aus diesem Uebereinkommen folgen, daß Mr. Darch die Entscheidung über meinen Anspruch auf die Stellung und das Einkommen der Wittwe in die Hand bekommt. Das Einkommen, welches auf den Grundbesitz hypothekarisch eingetragen ist, muß somit aus Miß Blanchard’s Tasche kommen und seine Auszahlung folglich in den Bereich ihres Rechtsanwalts fallen. Morgen wird sich wahrscheinlich ergeben, ob diese Ansicht richtig ist, denn heute Morgen wird mein Schreiben an Armadale’s Vertreter im Herrenhause übergeben worden sein.

Das war’s, was mir der alte Bashwood zu berichten hatte. Nachdem ich meinen Einfluß auf ihn mir wieder gesichert und Alles, was er wußte, in Erfahrung gebracht hatte, kam es nun zunächst darauf an, wie ich in Zukunft seine Dienste für mich zweckmäßig verwenden sollte. Er stand mir ganz zu Gebote, denn sein Posten war bereits von Miß Blanchard’s Intendanten eingenommen worden, und bat mich dringend, in London bleiben und da meine Interessen wahrnehmen zu dürfen. Es, wäre nicht die geringste Gefahr damit verknüpft gewesen, wenn ich ihm darin willfahrte, denn natürlich hatte ich seine Ueberzeugung daß ich wirklich Armadale’s Wittwe sei, nicht erschüttert. Allein jetzt, wo ich den Doctor mit seinen Mitteln und Wegen mir helfend zur Seite wußte, brauchte ich weiter keinen Beistand in London, und überdies kam mir der Gedanke, Bashwood dürfte mir nützlicher werden können, wenn ich ihn nach Norfolk heimschickte und dort auf meine Interessen sehen ließ.

Er schnitt ein sehr betrübtes Gesicht —— offenbar hatte er neuerdings der Wittwe den Hof machen wollen! —— als ich ihn von meinem desfalls getroffenen Entschlusse unterrichtete; indeß ein paar überredende Worte und ein leiser Wink, daß er, wenn er jetzt gehorsam meinen Wünschen nachkäme, vielleicht für die Zukunft Hoffnungen nähren dürfte, thaten Wunder, ihn von der Nothwendigkeit meiner Bitte zu überzeugen. Rathlos ersuchte er mich um Verhaltungsmaßregeln, als es Zeit wurde, daß er ging, um mit dem Abendzuge nach Hause zu fahren. Ich konnte ihm keine geben, denn ich hatte ja noch keine Idee, was die Herren Advocaten thun oder lassen würden. «Wenn nun aber etwas passiert«, wandte er ein, »etwas, was ich nicht verstehe, was soll ich dann, so fern von Ihnen, anfangen?« Ich konnte ihm nur eine Antwort ertheilen. »Fangen Sie gar nichts an«, sagte ich. »Was es auch sein mag, halten Sie Ihren Mund darüber und schreiben Sie oder kommen Sie unverzüglich zu mir nach London, um meinen Rath einzuholen.« Mit diesen Abschiedsweisungen und mit dem Abkommen, daß wir einen regelmäßigen Briefwechsel unterhalten wollten, ließ ich ihn meine Hand küssen und schickte ihn auf die Eisenbahn.

Jetzt, wo ich wieder allein bin und über die Unterredung mit meinem ältlichen Bewunderer ruhig nachdenken kann, erinnere ich mich, daß ich in Bashwood’s Art und Weise eine gewisse Veränderung bemerkte, die ich mir nicht recht erklären konnte und noch immer nicht recht erklären kann.

Selbst in seiner ersten Aufregung über unser Wiedersehen kam es mir vor, als ob seine Augen, während ich mit ihm sprach, mit einem ganz eigenthümlichen Interesse auf mir ruhten. Außerdem ließ er bei der Schilderung seines einsamen Lebens in Thorpe-Ambrose ein paar Worte fallen, aus denen hervorzugehen schien, daß ihn in seiner Verlassenheit ein gewisses Vertrauen auf unsere künftigen Beziehungen, wenn wir uns nur erst einmal wiedergesehen hätten, aufrecht erhalten habe. Wäre er ein jüngerer und kühnerer Mann und wäre solch eine Entdeckung überhaupt möglich, so würde ich fast argwöhnen, er habe etwas von meinem früheren Leben ausspioniert und fühle sich nun im Stillen sicher, mich in der Gewalt zu haben, falls ich wieder Miene machen sollte, ihn zu verlassen und zu betrügen. Solch ein Gedanke in Verbindung mit dem alten Bashwood ist jedoch geradezu abgeschmackt! Vielleicht macht mich die Ungewißheit und Angst meiner gegenwärtigen Lage nervenkrank, vielleicht sehe ich in meiner Aufregung allerlei Trug- und Schreckbilder. Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls habe ich mich mit ernsteren Dingen zu beschäftigen als mit dem alten Bashwood. Wahrscheinlich morgen schon sagt mir die Post, was Armadale’s Vertreter von den Ansprüchen seiner Wittwe denken.

Den 26. November. Diesen Morgen ist die Antwort eingelaufen, wie Bashwood vermuthete, in einem Briefe von Mr. Darch. Der grämliche alte Advocat beantwortet mein Schreiben in drei Zeilen. Bevor er irgendwelche Schritte thun oder seine Ansicht über die Sache aussprechen könne, müsse er sich sowohl von der Identität der Personen wie von der Echtheit des Trauscheins überzeugt haben, weshalb es wünschenswerth sein dürfe, ihn an meine Rechtsfreunde zu verweisen, ehe die Sache weiter verfolgt werde.

Zwei Uhr. Kurz nach zwölf Uhr kam der Doctor und theilte mir mit, daß er kaum zwanzig Minuten vom Sanatorium entfernt eine Wohnung für mich gefunden habe. Ich meinerseits zeigte ihm darauf Mr. Darch’s Brief. Auf der Stelle ging er damit zu seinen Advocaten und brachte mir die nöthige Auskunft bezüglich meines weiteren Verhaltens. Ohne auf den Wunsch nach ferneren Beweisen für meine Verheirathung ein Wort zu erwidern, habe ich Mr. Darch’s Zuschrift einfach damit beantwortet, daß ich ihm die Adresse meiner Rechtsbeistände oder vielmehr der Sachwalter des Doctors übersandte. Mehr kann heute nicht geschehen. Morgen haben wir wichtigere Begebnisse zu erwarten, denn morgen wird der Doctor seine Erklärung vor der Behörde abgeben und morgen werde ich in Wittwentrauer meine neue Wohnung beziehen.

Den 27. November. Fairweather-Vale-Villen. Die Erklärung ist mit allen nothwendigen Formalitäten abgegeben worden, und ich habe in meiner Wittwentracht von meinen neuen Zimmern Besitz ergriffen.

Dieser neue Act des Dramas und die riskante Rolle, welche ich darin spiele, sollten mich in Aufregung versetzen, Merkwürdig aber, ich bin ruhig und deprimiert. Der Gedanke an Midwinter ist mir in meine neue Wohnung gefolgt und liegt mir augenblicklich schwer auf dem Herzen. Vor einem zufälligen Ereigniß, das vielleicht in der Zwischenzeit geschieht, ehe ich öffentlich als Armadale’s Wittwe austreten kann, fürchte ich mich nicht, aber wenn die Zeit kommt und wenn Midwinters ausfindig macht, was früher oder später eintreten muß, wie ich meine falsche Rolle spiele und in der usurpierten Stelle mich eingerichtet habe, was soll, so frage ich mich, alsdann geschehen? Darauf habe ich nur die Antwort, welche ich mir heute Morgen gab, als ich meine Wittwenkleider anlegte: jetzt wie damals überkommt mich das Vorgefühl, daß er mich umbringen wird. Ach, wäre es nicht zu spät, die Sache aufzugeben! Abgeschmackt! Ich will mein Tagebuch zumachen.

Den 28. November.Mr. Darch hat von sich hören lassen; unsere Rechtsfreunde haben ihm in Erwiderung die Erklärung übersandt.

Als mir der Doctor dies mittheilte, fragte ich ihn, ob seine Advocaten meine gegenwärtige Adresse hätten, und bat, da dies nicht der Fall, auch fernerhin sie vor ihnen geheim halten zu wollen. Der Doctor lachte. »Fürchten Sie, daß uns Mr. Darch etwas anhaben und Sie persönlich angreifen könnte?« fragte er.

Um ihn am leichtesten zur Erfüllung meiner Bitte zu bewegen, that ich, als wenn dem so wäre. »Ja«, sagte ich, «ich fürchte mich vor Mr. Darch.«

Seit der Doctor mich verlassen, hat sich meine Stimmung gehoben. Es ist ein angenehmes Gefühl von Sicherheit, wenn man weiß, daß kein Fremder unsere Adresse kennt. Ich fühle mich heute so leicht in meinem Gemüthe, daß ich bemerkte, wie gut mir die Trauer steht, und gegen meine Hausleute die Liebenswürdige spielte.

Vergangene Nacht beunruhigte mich Midwinter wieder ein wenig; ich habe jedoch den gespensterhaften Wahn überwunden, von dem ich gestern besessen war. Gewalt fürchte ich jetzt nicht mehr von ihm, sollte er entdecken, was ich gethan habe, und noch weniger ist zu besorgen, daß er sich soweit erniedrigen wird, seinen Anspruch auf eine Frau geltend zu machen, welche ihn dergestalt betrogen hat. Die einzige harte Prüfung, die mir, wenn der Tag des Gerichts kommt, auferlegt sein wird, ist, in seiner Gegenwart meinen falschen Charakter aufrecht zu erhalte Ist dies geschehen, dann werde ich in seiner Verachtung, in seinem Abscheu vor mir gerade meine Sicherheit finden. An jenem Tage, wo ich ihn ins Gesicht verleugnet, habe ich ihn zum letzten Male in seinem Leben gesehen.

Werde ich es über mich gewinnen, ihn ins Gesicht zu verleugnen? Werde ich im Stande sein, ihn anzusehen, zu ihm zu sprechen, als wäre er mir nie mehr gewesen denn ein Freund? Wie kann ich’s wissen, ehe die Zeit kommt! Hat es je solch eine verblendete Thörin gegeben, wie ich bin, die da immer von ihm schreibt, wo doch das Schreiben mich stets von neuem an ihn zu denken zwingt? Ich will einen Entschluß fassen: von heute an soll sein Name nie wieder in diesen Blättern erscheinen.

Montag, den 1. December. Der letzte Monat des abgestandenen alten Jahres achtzehnhunderteinundfünfzig! Gestattete ich mir einen Rückblick, welch jämmerliches Jahr würde ich all den andern jämmerlichen Jahren, die dahin sind, angereiht sehen! Allein ich habe beschlossen, nur vorwärts zu schauen, und denke, ich will dabei bleiben.

Von den letzten beiden Tagen habe ich nichts weiter zu berichten, als daß ich am 29. an Bashwood dachte und ihm meine neue Adresse mittheilte. Diesen Morgen haben unsere Rechtsfreunde neue Nachrichten von Mr. Darch erhalten. Er bekennt sich zum Empfange der Erklärung, setzt aber die Mittheilung der Entscheidung, zu welcher er gelangt ist, noch aus, bis er sich mit den Vollstreckern von Mr. Blanchards letztem Willen benommen und von seiner Clientin selbst endgültige Instructionen erhalten hat. Die Advocaten des Doctors behaupten, daß dies Schreiben nur ein Kunstgriff sei, um Zeit zu gewinnen, zu welchem Zweck, können sie natürlich nicht errathen. Der Doctor selbst sagt scherzend: »Es ist ein gewöhnlicher Advocatenkniff, um eine lange Rechnung machen zu können? Mein eigener Gedanke ist, daß Mr. Darch argwöhnt, etwas sei nicht in Ordnung, und daß er allerdings Zeit gewinnen will ——

Abends zehn Uhr. Soweit, bis zu diesem uuvollendeten Satze hatte ich, gegen vier Uhr nachmittags, geschrieben, als ich durch das Rollen einer Droschke aufgeschreckt wurde, die gerade auf unser Haus zufuhr. Ich trat ans Fenster und kam eben zur rechten Zeit, um den alten Bashwood mit einer Lebhaftigkeit aus dem Wagen steigen zu sehen, welche ich ihm nimmermehr zugetraut hätte. So wenig hatte ich eine Ahnung von der furchtbaren Entdeckung, die ich in der nächsten Minute machen sollte, daß ich mich zum Spiegel wandte und dachte, was wohl der alte Herr zu meiner Wittwenhaube sagen würde.

Sowie er ins Zimmer trat, sah ich den Augenblick, daß ein ernstes Unheil geschehen war. Seine Augen rollten wild, seine Perrücke war schief. Mit einem eigenthümlichen Gemisch von Bangigkeit und Aufregung näherte er sich mir. »Ich habe befolgt, was Sie mir gesagt haben«, flüsterte er athemlos. »Ich habe meinen Mund darüber gehalten und komme nun direct zu Ihnen!« Ehe ich antworten konnte, faßte er mich bei der Hand einer Kühnheit, die mir etwas ganz Neues an ihm war. »Ach, wie kann ich’s Ihnen beibringen!« rief er aus. »Ich bin außer mir, wenn ich daran denke!«

Sobald Sie sprechen können, sprechen Sie«, sagte ich und pflanzte ihn in einen Lehnstuhl. »Auf Ihrem Gesichte sehe ich, daß Sie mir unerwartete Nachrichten aus Thorpe-Ambrose bringen?

Er steckte die Hand in die Brusttasche seines Rocks und zog einen Brief heraus. Dann sah er mich an. »Nach —— Nach —— Nachrichten, die Sie nicht erwarten«, stotterte er; doch nicht aus Thorpe-Ambrose.«

»Nicht aus Thorpe-Ambrose?«

»Nein —— von der See!«

Bei diesen Worten dämmerte mir die Wahrheit auf. Ich konnte nicht sprechen, ich konnte blos meine Hand nach dem Briefe ausstrecken.

Noch zauderte er, ihn mir zu geben. »Ich wag’s nicht, ich wag’s nicht«, sprach er geistesabwesend zu sich selbst. »Der Schlag könnte ihr Tod sein!«

Ich riß ihm den Brief aus der Hand. Ein Blick auf die Handschrift der Adresse war genug! Meine Hände sanken auf den Schooß, den Brief krampfhaft umklammernd. Regungslos, sprachlos, ohne ein Wort von dem zu hören, was Bashwood mir sagte, saß ich wie versteinert da und kam langsam zum Bewußtsein der entsetzlichen Wahrheit. Der Mann, dessen Wittwe ich spielen wollte, lebte und konnte mir die Stirn bieten! Umsonst hatte ich den Trank in Neapel gemischt, umsonst hatte ich ihn in Manuel’s Hände geliefert! Zweimal hatte ich ihm die Todesfalle gelegt und zweimal war er mir entronnen!

Wieder zum Bewußtsein der Außenwelt kommend, fand ich Bashwood weinend mir zu Füßen liegen.

»Sie sehen so zornig aus«, murmelte er trostlos. Sind Sie bös auf mich? Ach, wenn Sie wüßten, welche Hoffnungen ich nährte, als wir einander neulich wiedersahen, und wie grausam dieser Brief sie alle zu Boden schmettert!«

Ich stieß das elende alte Geschöpf von mir, doch sehr sanft. »Pst!« sagte ich. »Stören Sie mich jetzt nicht! Ich muß mich fassen, muß den Brief lesen.«

Unterwürfig schritt er nach dem andern Ende des Zimmers. Sobald mein Auge nicht mehr auf ihm ruhte, hörte ich, wie er mit schwächlicher Bosheit zu sich selbst sprach: »Hätte die See meine Gedanken gehabt, sie hätte ihn verschlungen!«

Langsam entfaltete ich den Brief, mich, während ich dies that, völlig unfähig fühlend, meine Aufmerksamkeit auf die Zeilen zu richten, die zu lesen ich doch so brennendes Verlangen trug. Warum aber länger bei Empfindungen verweilen, die sich nicht beschreiben lassen? Es wird zweckmäßiger sein, wenn ich zu späterer Vergleichung den Brief hier wörtlich meinem Tagebuche einverleibe.

»Mr. Bashwood.

Fiume in Illyrien, 21. Nov. 1851.

Datum und Adresse meines Briefes werden Sie in Erstaunen setzen, und noch mehr werden Sie erstaunen, wenn Sie vernehmen, wie es kommt, daß ich Ihnen aus einem Hafen des Adriatischen Meeres schreibe.

Ich bin das Opfer eines schurkischen Attentats von Raub und Mord geworden. Der Raub ist gelungen, und lediglich Gottes Gnade hat den Mord nicht auch gelingen lassen.

Vor etwas länger als einem Monat miethete ich in Neapel eine Yacht und —— wie froh bin ich jetzt in diesem Gedanken! —— segelte, ohne einen Freund oder Bekannten zum Begleiter zu haben, nach Messina. Von Messina machte ich einen kleinen Kreuzzug nach dem Adriatischen Meere. Zwei Tage in See, wurden wir von einem Sturme ereilt; in diesen Gegenden kommen und gehen Stürme mit Blitzesschnelle. Das Schiff hielt sich brav; ich muß gestehen, Thränen treten mir in die Augen, wenn ich es nun auf dem Grunde des Meeres denken muß! Gegen Sonnenuntergang ließ das Unwetter nach und um Mitternacht war die See bis auf eine lange sanfte Brandung so glatt wie nur möglich. Etwas ermüdet —— ich hatte mit arbeiten helfen, solange der Sturm dauerte —— ging ich in meine Kajüte hinunter und war in fünf Minuten eingeschlafen. Zwei Stunden später erweckte mich das Geräusch eines durch eine Spalte in dem am oberen Ende der Thür angebrachten Ventilator in die Kajüte fallenden Gegenstandes. Ich sprang auf und fand einen um einen Schlüssel gewickelten Papierstreifen, auf dessen innerer Seite von einer nicht sehr leicht zu lesenden Hand etwas geschrieben war.

Bis zu dieser Stunde hatte ich nicht den Schatten von Verdacht, daß ich mich mit einer Bande von mörderischen Vagabunden (einen ausgenommen) auf offener See befand, die vor nichts zurückbebte. Ich war vielmehr mit meinem Bootsmeister (dem größten Schurken von allen) sehr gut verkommen und noch besser mit dem ersten Matrosen, einem Engländer. Da die Matrosen sonst samt und sonders Ausländer waren, konnte ich nicht viel mit ihnen verkehren. Sie verrichteten ihre Arbeit, und weder Streitereien noch andere Unannehmlichkeiten fielen vor. Hätte, ehe ich in der Nacht nach dem Sturme zu Bette ging, mir Jemand gesagt, der Bootsmeister, die Mannschaft und der erste Matrose, der ursprünglich nicht besser war als die Uebrigen, hätten sich alle verschworen, mir das Geld zu rauben, welches ich mit mir auf dem Schiffe hatte, und mich dann in meinem eigenen Schiffe zu ertränken, ich hätte ihm gerade ins Gesicht gelacht. Das behalten Sie im Auge, und dann stellen Sie sich vor, denn sagen kann ich’s Ihnen wahrhaftig nicht, was ich gedacht haben muß, als ich das um den Schlüssel gewickelte Papier aufmachte und Folgendes las, was ich hier wörtlich abschreibe.

»Sir, bleiben Sie in Ihrem Bett, bis Sie hören, daß das Boot von der Steuerbordseite abstößt, oder Sie sind ein todter Mann. Ihr Geld ist Ihnen gestohlen, und im Verlauf von fünf Minuten wird die Yacht durchlöchert und die Kajütenluke zugenagelt sein. Todte können nicht reden, und der Bootsmeister hat im Sinne, Beweisstücke auf dem Meere umhertreiben zu lassen, daß das Schiff mit Mann und Maus zu Grunde gegangen ist. Das war sein Plan von Anfang an und wir alle waren dabei betheiligt. Aber ich kann’s nicht über’s Herz bringen, Ihnen nicht eine Chance des Entrinnens an die Hand zu geben. Freilich ist’s nur eine zweifelhafte Chance, doch mehr kann ich nicht thun. Wollte ich mir nicht den Anschein geben, daß ich mitthäte mit der Bande, so würde ich selbst umgebracht werden. In diesem Papiere finden Sie den Schlüssel zu Ihrer Kajütenthür. Erschrecken Sie nicht, wenn Sie oben den Hammer hören. Ich werde es selbst thun und nur kurze Nägel nehmen. Warten Sie, bis Sie das Boot mit uns allen abstoßen hören, und dann stemmen Sie die Luke mit Ihrem Rücken auf. Eine Viertelstunde, nachdem die Löcher hineingebohrt sind, wird sich das Schiff noch über Wasser halten. Gleiten Sie dann auf der backbordseite ins Meer und lassen Sie das Schiff zwischen sich und dem Boote. Sie werden eine Menge loser Planken und Balken finden, die, absichtlich hineingeworfen, umherschwimmen und an denen Sie sich halten können. Es ist eine schöne Nacht und ruhige See und vielleicht Aussicht vorhanden, daß, solange Sie noch leben, ein vorbeisegelndes Schiff Sie entdeckt und aufnimmt. Ich kann nicht mehr thun. Ihr aufrichtig ergebener J. M.«

Als ich an diese letzten Worte kam, hörte ich, wie man über mir die Luke zunagelte Ich glaube nicht, feiger zu sein als die meisten andern Menschen, allein für den Augenblick troff mir der Schweiße von der Stirn. Ehe jedoch das Hämmern vorüber, war ich wieder der Alte und ertappte mich, wie ich an Jemand in England dachte, der mir sehr theuer ist. Ich sagte zu mir selbst: »Um ihretwillen will ich um mein Leben kämpfen, obgleich die Chancen wider mich sind.«

Ich that einen Brief von dieser Person in eins der verstöpselten Flacons meines Toilettenkastens zugleich mit der Warnung des Matrosen für den Fall, daß ich am Leben bliebe und ihn wiedersähe. Dies und eine Flasche Whisky hing ich mir an einer Schlinge um den Hals, und nachdem ich mich in meiner Verwirrung erst angekleidet hatte, kam ich auf einen bessern Gedanken und legte, um schwimmen zu können, bis auf Hemd und Beinkleider Alles wieder ab. Während ich das gethan, war inzwischen das Hämmern vorüber und solch eine Stille eingetreten, daß ich das Wasser in das durchlöcherte Schiff rauschen hören konnte. Darauf kam das Geräusch des von der Steuerbordseite abstoßenden Bootes mit den Schurken darin. Ich wartete, bis ich das Plätschern der Ruder vernahm, und stemmte dann meinen Rücken unter die Luke. Der Matrose hatte sein Versprechen gehalten; ich konnte sie leicht aufdrücken, kroch unter dem Schutze der Bollwerke auf allen Vieren quer über das Deck und schlüpfte auf der Backbordseite ins Meer. Allerhand Gegenstände trieben darin umher; ich packte den ersten besten, den ich erreichen konnte —— es war ein Hühnerstall —— und schwamm ein paar hundert Schritte weit, immer die Yacht zwischen mir und dem Boote lassend. Soweit gelangt, wurde ich von einem Fieberschauer überfallen, und in Angst, es möchte nun der Krampf eintreten, hielt ich still und nahm einen derben Schluck aus meiner Flasche. Als ich die Flasche wieder zumachte, drehte ich mich einen Augenblick und schaute zurück —— eben war die Yacht im Sinken begriffen. Eine Minute darauf war nichts mehr zwischen mir und dem Boote zu erblicken, als die Stücke des Wracks, welche absichtlich ins Meer geworfen worden waren. Der Mond schien, und wenn sie ein Fernglas im Boote gehabt hätten, so würden sie wohl meinen Kopf gesehen haben, obgleich ich den Hühnerstall immer thunlichst zwischen mir und ihnen zu halten suchte.

Sie ruderten scharf und ich hörte laute streitende Stimmen unter ihnen. Nach einer Weile, die mir eine Ewigkeit schien, entdeckte ich, worum sie sich stritten. Die Spitze des Bootes stand auf einmal mir zugekehrt. Offenbar hatte ein Halunke, der gescheidter war als die Andern —— wahrscheinlich der Bootsmeister —— sie überreden zurückzurudern nach der Stelle, wo die Yacht gesunken war, um sich zu vergewissern, ob ich auch wirklich mit ihr untergegangen sei. Schon waren sie mir bis auf halben Weg nahe und ich hatte mich verloren gegeben, als ich einen jähen Schrei hörte und plötzlich den Lauf des Bootes gehemmt sah. Ein paar Minuten darauf war das Boot wieder umgewandt, und sie ruderten aus Leibeskräften von mir ab, wie Männer, die um ihr Leben kämpfen.

Ich sah nach dem Lande zu, entdeckte indeß nichts. Ich sah nach der andern Seite und fand jetzt, was die Mannschaft des Bootes noch vor mir gesehen hatte, ein Segel in der Entfernung, das, je länger ich hinblickte, im Mondscheine immer heller und größer wurde. In einer Viertelstunde befand sich das Fahrzeug im Bereich meiner Stimme und die Mannschaft zog mich an Bord.

Es waren sämtlich Ausländer und sie betäubten mich förmlich durch ihr Kauderwelsch. Ich versuchte es mit Zeichen, ehe ich jedoch mich verständlich machen konnte, überfiel mich ein neuer Fieberfrost und ich ward in die Kajüte hinunter geschafft. Zweifelsohne hielt das Schiff seinen Curs, denn irgend etwas bestimmt zu wissen, war ich nicht in der Verfassung. Ehe noch der Morgen anbrach, lag ich in heftigem Fieber, und von da an kann ich mich auf nichts mehr deutlich besinnen, bis ich endlich hier wieder zur Besinnung kam und mich in der Pflege eines ungarischen Kaufmanns fand, des Rheders des Schiffes, das mich aufgenommen hatte. Er spricht englisch so gut oder besser als ich und hat mich mit einer Liebe behandelt, für deren Lob ich keine Worte habe. Als junger Mann ist er selbst in England gewesen, um sich zum Kaufmann auszubilden, und sagt, er denke so gern an unser Vaterland zurück, daß sein Herz für jeden Engländer schlage. Er hat mich mit Kleidern ausgestattet und mir Geld geliehen, damit ich abreisen kann, sobald als der Arzt mir gestattet, nach der Heimat aufzubrechen. Wenn ich keinen Rückfall bekomme, werde ich von jetzt ab in einer Woche reisefähig sein. Kann ich in Triest die Mallepost erreichen und die Strapaze aushalten, so werde ich acht oder höchstens zehn Tage, nachdem Sie diesen meinen Brief empfangen haben, wieder in Thorpe-Ambrose sein. Sie werden mir zugeben, daß es ein entsetzlich langer Brief ist, allein ich kann’s nicht ändern; es kommt mir vor, als hätte ich meine alte Kunst vergessen, mich kurz zu fassen und gleich auf der ersten Seite fertig zu werden. Indeß jetzt bin ich bald zu Ende, denn es bleibt mir nur noch übrig, Ihnen zu sagen, warum ich Ihnen von dem, was mir widerfahren, schreibe, anstatt bis zu meiner Rückkunft zu warten und Ihnen dann Alles mündlich zu erzählen.

Es dünkt mich, daß mein Kopf noch von der Krankheit angegriffen, ist. Jedenfalls fiel mir diesen Morgen ein, daß es kaum wahrscheinlich ist, ein Schiff werde die Stelle passiert haben, wo die Yacht unterging, um die Möbel und andere Gegenstände, die aus ihr in der See umhertreiben, zu finden und mitzunehmen. Sollte dies aber doch zufällig geschehen sein, so dürfte sich vielleicht die falsche Nachricht von meinem Tode in England verbreitet haben. Wäre dies geschehen —— hoffentlich ist’s nur eine unbegründete Furcht von meiner Seite —— so gehen Sie auf der Stelle ins Parkhäuschen zum Major Milroy. Zeigen Sie ihm diesen Brief —— er ist gerade so gut für ihn wie für Sie geschrieben —— geben Sie ihm dann das eingeschlossene Billet und fragen Sie ihn, ob nicht die Umstände meine Hoffnung rechtfertigten, daß er es seiner Tochter senden werde. Ich kann nicht erörtern, warum ich nicht direct an den Major schreibe, nur sagen, daß gewisse Rücksichten, die ich mich zu beobachten verpflichtet habe, mich zu diesem mittelbaren Wege veranlassen.

Ich bitte um keine Antwort auf mein Schreiben, denn ehe Ihr Brief mir in diesem abgelegenen Orte zukommen könnte, bin ich hoffentlich lange auf dem Heimwege. Was Sie auch sonst thun, gehen Sie unverzüglich zu Major Milroy. Gehen Sie, gleichviel, ob der Untergang der Yacht in England bekannt ist oder nicht.

Aufrichtig der Ihrige

Allan Armadale.«

An den Schluß des Briefes gelangt, blickte ich auf und sah jetzt erst, daß Bashwood aus seinem Stuhle aufgestanden war und sich mir gerade gegenübergestellt hatte. Mit dem forschenden Ausdruck eines Menschen, der meine Gedanken zu lesen suchte, studierte er eifrig mein Gesicht Schuldbewußt schlug er seine Augen nieder, wenn die meinigen ihnen begegneten, und wich zu seinem Stuhle zurück. In dem Glauben, daß ich mit Armadale wirklich verheirathet sei, betrachtete er zu ergründen, ob die Kunde von Armadale’s Rettung aus dem Meere mir als gute oder schlechte Nachricht erschien. Mit ihm in Erörterungen einzutreten, war jetzt keine Zeit; das Erste, was geschehen mußte, war vielmehr, unverweilt mich mit dem Doctor in Vernehmen zu setzen. Ich rief Bashwood zu mir her und gab ihm die Hand.

»Sie haben mir einen Dienst geleistet«, sagte ich, »der unsere Freundschaft noch mehr befestigt. Noch heute werde ich Ihnen hierüber und über andere Dinge, die für uns beide von Belang sind, Mittheilungen machen. Für jetzt bitte ich Sie, mir Mr. Armadale’s Brief, den ich Ihnen unversehrt zurückbringen werde, zu leihen und hier meine Zurückkunft abzuwarten. Wollen Sie mir diesen Gefallen thun, Mr. Bashwood?«

Alles, was ich verlangte, wolle er thun, antwortete er. Ich ging dann in mein Schlafzimmer und holte mir Hut und Shawl.

»Ehe ich Sie verlasse, beruhigen Sie mich noch über einen Punkt«, sprach ich. »Sie haben den Brief außer mir Niemand sonst gezeigt?«

»Keine Seele hat ihn gesehen, außer uns Zweien!«

»Was haben Sie mit dem für Miß Milroy beigelegten Billet angefangen?

Er brachte es aus seiner Tasche zum Vorschein. Ich überlief es rasch, sah, daß nichts von der allergeringsten Bedeutung darin stand, und warf es auf der Stelle ins Feuer. Dies gethan, ließ ich Bashwood in meinem Zimmer und verfügte mich, Armdale’s Brief in der Hand, zum Sanatorium.

Der Doctor war ausgegangen, und der Diener konnte mir nicht gewiß sagen, wann er wieder zu Hause sein würde. Ich begab mich denn in sein Arbeitszimmer und schrieb, um ihn auf die Kunde vorzubereiten, die ich brachte, ein paar Zeilen an ihn, welche ich zusammen mit Armadale’s Brief in ein Couvert einsiegelte. In einer Stunde würde ich wieder vorsprechen, sagte ich dem Diener.

Ehe ich wußte, was der Doctor jetzt zu thun gedachte, hatte es keinen Zweck, nach Hause zu gehen und mit Bashwood zu sprechen. So wanderte ich mit einem dumpfen, der Erstarrung ähnlichen Gefühle, das nicht nur jedes Denken, sondern auch die Empfindung körperlicher Ermüdung verhinderte, in der Gegend umher, neue Straßen und Plätze auf und ab. Ich erinnerte mich, daß mich vor Jahren ganz das nämliche Gefühl übermannte, damals als ich von den Gefängnißbeamten vor den Gerichtshof geführt ward, um hier auf Tod und Leben gerichtet zu werden. Auf die seltsamste Art trat mir diese ganze Scene wieder vor die Seele, als wäre es eine Scene gewesen, in der eine andere Person die Hauptrolle gespielt hätte. Ein paarmal wunderte ich mich in dumpfer Gleichgültigkeit, daß man mich nicht gehängt hatte!

Ins Sanatorium zurückgekehrt, vernahm ich, daß der Doctor seit einer halben Stunde wieder zu Hause sei und in seinem Zimmer mich sehnsüchtig erwarte.

Ich trat dort ein und fand ihn, den Kopf geneigt und die Hände auf seinen Knieen, am Feuer sitzen. Neben ihm auf dem Tische sah ich außer Armadales Brief und meinem Billet ein aufgeschlagenes Eisenbahncursbuch liegen, gerade im kleinen Lichtkreise, den die brennende Lampe warf. Dachte er an Flucht? Auf seinem Gesichte, als er auf- und mich anblickte, war unmöglich zu lesen, über was er nachsann, oder welchen Schlag ihm die Kunde von Armadales Leben versetzt hatte.

»Setzen Sie sich hier ans Kamin«, redete er mich an. »Es ist heute sehr rauh und unfreundlich.«

Schweigend nahm ich Platz, schweigend saß seinerseits, sich die Kniee am Feuer wärmend, der Doctor da.

»Haben Sie mir nichts zu sagen?« fragte ich.

Er stand auf und nahm plötzlich den Schirm von der Lampe, sodaß das volle Licht auf mein Gesicht fiel.

»Sie sehen nicht wohl aus«, sprach er. »Was fehlt Ihnen?«

»Mein Kopf ist mir schwer und meine Augen schmerzen«, erwiderte ich. »Wohl das Wetter.«

Es war merkwürdig, wie wir uns beide immer weiter und weiter von dem einen alles Andere absorbierenden Gegenstande entfernten, zu dessen Besprechung wir doch ausdrücklich zusammengekommen waren!

»Ich denke, eine Tasse Thee würde Ihnen gut thun«, bemerkte der Doctor.

Ich meinte es auch, und er bestellte den Thee. Bis dieser kam, ging er im Zimmer auf und nieder und ich blieb ruhig am Feuer sitzen, und keins von uns sprach ein Wort.

Der Thee belebte mich und der Doctor bemerkte, daß ich besser auszusehen beginne. Dann setzte er sich mir gegenüber an den Tisch und fing endlich zu sprechen an.

»Hätte ich jetzt tausend Pfund«, sagte er, »ich würde sie bis zum letzten darum geben, wenn ich mich in Ihre verzweifelte Speculation auf Mr. Armadale’s Tod nicht mit eingelassen hätte!«

Ganz seiner gewöhnlichen Manier zuwider stieß er diese Worte auffallend kurz, fast heftig heraus. War er selbst in Angst oder wollte er mir Angst einjagen? Er sollte sich darüber von vornherein erklären, das stand bei mir fest. »Halt, einen Augenblick, Doctor«, sagte ich deshalb. »Glauben Sie, daß ich an dem Geschehenen schuld bin?«

»Bestimmt nicht«, entgegnete er steif. Weder Sie noch irgendwer konnte voraussehen, was passiert ist. Wenn ich sage, ich würde tausend Pfund darum geben, wenn ich aus dem Handel heraus wäre, so mache ich Niemand einen Vorwurf als mir selbst, und wenn ich Ihnen dann sage, aß ich, einmal für allemal, nicht zulassen werde mich Mr. Armadale’s Wiederaufstehung aus der See ruinieren soll, ohne daß ich dagegen ankämpfe, so spreche ich so deutlich und wahr, wie nur je ein Mensch deutlich und wahr gesprochen hat, meine beste Dame. Glauben Sie nicht, daß ich in der Gefahr, welche uns jetzt gemeinsam droht, selbstsüchtig meine Interessen von den Ihrigen scheide; ich gebe Ihnen einfach den Unterschied in der Gefahr an, die jedes von uns läuft. Sie haben nicht alle Ihre Mittel in ein Sanatorium gesteckt, und Sie haben keine falsche Erklärung vor der Behörde abgegeben, die vom Gesetze ganz wie Meineid bestraft wird.«

Ich unterbrach ihn wieder. Seine Selbstsucht that mir wohler als sein Thee, sie hob meine Stimmung gewaltig. »Wie wär’s«, sagte ich, »wenn wir Ihr Risico und mein Risico jetzt beiseite ließen und zur Sache kämen? Was meinen Sie, wenn wir darum kämpfen? Ich sehe ein Eisenbahncursbuch da auf Ihrem Tische Heißt darum kämpfen etwa fortlaufen?«

»Fortlaufen?« wiederholte der Doctor. »Sie scheinen zu vergessen, daß jeder Heller, den ich auf Erden mein nenne, in dem Etablissement hier steckt.«

»Sie bleiben also hier?« fragte ich.

»Ohne Zweifel!«

»Und was meinen Sie, wenn Mr. Armadale nach England kommt?«

Eine einsame Fliege, die letzte ihres Geschlechts, welche der Winter verschont hatte, summte matt dem Doctor um das Gesicht herum. Er fing sie, ehe er mir antwortete, und hielt sie, in seiner geschlossenen Hand über den Tisch hin.

»Wenn diese Fliege da Armadale hieße«, sagte er, »und wenn Sie ihn so erwischt hätten, wie ich sie erwischt habe, was würden Sie dann thun?«

Seine Augen, mit denen er mich ernst fixierte, hefteten sich darauf bezeichnend auf meine Wittwentracht; ich auch sah darauf, als er hinblickte. Ein Schauer von dem alten tödtlichen Hasse und dem alten mörderischen Entschlusse durchrieselte mich wieder.

»Ich würde ihn umbringen«, gab ich zur Antwort.

Die Fliege noch immer in der Hand, sprang der Doctor von seinem Sitze auf und sah mich, etwas zu theatralisch, mit dem Ausdrucke höchsten Schreckens an.

»Ihn umbringen!« wiederholte er in einem Anfall tugendhafter Bestürzung »Gewaltthat, mörderische Gewaltthat in meinem Sanatorium! Sie machen mich sprachlos vor Erstaunen!«

Ich erhaschte einen Blick seines Auges, während er mit studierter Beredtsamkeit seinen Schrecken ausdrückte, wie es mich mit einer forschenden Neugier ansah, die mit der Heftigkeit seiner Sprache und mit dem Feuer seines Tons einigermaßen contrastirte. Als sich unsere Augen begegneten, lachte er unbehaglich und nahm, noch ehe er seine Lippen zum Weitersprechen öffnete, sein sanftes, vertrauliches Wesen wieder an.

»Ich bitte tausendmal um Verzeihung«, sagte er. »Ich hätte Sie besser kennen sollen, als daß ich eine Dame zu buchstäblich beim Worte zu nehmen hätte. Erlauben Sie mir indeß zu erinnern, daß die Umstände zu ernster Natur sind, um irgend etwas zu rechtfertigen, was wie Uebertreibung oder gar wie Scherz aussieht. Ohne weitere Vorrede sollen Sie hören, was ich vorschlage.« Er hielt inne und brauchte wieder die noch immer in seiner Hand gefangen gehaltene Fliege zum Gleichniß. »Da ist Mr. Armadale. Ich kann ihn herauslassen oder festhalten, ganz wie es mir beliebt, und er weiß es. Ich sage zu ihm, fuhr der Doctor fort, die Fliege anredend: Garantieren Sie mir, Mr. Armadale, daß weder gegen diese Dame hier noch gegen mich selbst Schritte irgendwelcher Art gethan werden sollen, und ich will Sie aus meiner Hand herauslassen. Versprechen Sie mir das nicht, so werde ich Sie, sei die Gefahr, welche sie wolle, darin behalten. Können Sie noch zweifeln, was Mr. Armadale früher oder später sicher antworten wird? Können Sie zweifeln; fuhr er fort und gab der Fliege, um dem Worte die That folgen zu lassen, ihre Freiheit wieder, »daß es zur völligen Genugthuung aller Parteien so enden wird?«

»Zuvörderst will ich nicht sagen, ob ich zweifle oder nicht«, antwortete ich. »Erlauben Sie mir, mich vor allem zu versichern, ob ich Sie recht verstehe. Wenn ich nicht irre, so schlagen Sie vor, Mr. Armadale hier in diesem Hause einzusperren und ihn nicht eher wieder herauszulassen, als bis er sich mit den Bedingungen einverstanden erklärt, welche wir ihm in unserm Interesse auflegen müssen? Darf ich Sie unter diesen Umständen fragen, wie Sie ihn in die Falle zu bringen denken, die Sie für ihn hier aufgestellt haben?«

»Zunächst schlage ich vor«, erwiderte der Doctor, die Hand aus das Eisenbahncursbuch legend, »nachzusehen, zu welcher Stunde jeden Abend dieses Monats die mit der Flut correspondirenden Züge von Dover und Folkstone an der Station von London-Bridge eintreffen; sodann Jemand, der Mr. Armadale kennt und dem wir beide trauen dürfen, dorthin zu postieren, damit er die Ankunft der Züge abwartet und unsern Mann empfängt, sobald dieser aus dem Waggon steigt.«

»Haben Sie schon daran gedacht«, fragte ich, »wer diese Person sein soll?«

»Ich habe«, sagte der Doctor und nahm Armadale’s Brief in die Hand, »an die Person gedacht, an welche dies Schreiben gerichtet ist.«

Die Antwort frappierte mich. War es möglich, daß er und Bashwood sich kannten? Das fragte ich auf der Stelle.

»Bis heute habe ich nie den Namen des Herrn nennen hören«, entgegnete der Dotter. »Ich habe einfach den inductiven Proceß des Geistes verfolgt, den wir dem unsterblichen Bacon verdanken. Wie kommt dieser höchst wichtige Brief in Ihren Besitz? Ich kann Sie nicht mit der Annahme kränken, daß Sie ihn gestohlen haben; folglich haben Sie ihn mit Erlaubniß und Autorisation des betreffenden Adressaten an sich genommen; mithin ist dieser in Ihrem Vertrauen und folglich ist er die erste Person, an welche ich denke. Sie sehen den Geistesproceß, nicht wahr? Gut. Gestatten Sie mir nun, ehe wir weitergehen, ein paar Fragen in Betreff Mr. Bashwood’s.«

Wie immer gingen die Fragen des Doctors direct auf die Sache los. Meine Antworten theilten ihm mit, daß Mr. Bashwood zu Armadale im Verhältnisse eines Intendanten stehe; daß er diesen Morgen den Brief in Thorpe-Ambrose empfangen und mit dem ersten Zuge ihn mir überbracht; daß er vor seiner Abfahrt weder mit Major Milroy noch sonst Jemand gesprochen, noch weniger den Brief irgendwem gezeigt; daß ich mir diesen seinen Dienst nicht durch Offenbarung meines Geheimnisses erkauft; daß ich mit ihm als Armadale’s Wittwe correspondirt und verkehrt; daß er unter diesen Umständen den Brief einzig und allein geheim gehalten, weil ich ihm geboten, wenn irgend etwas Besonderes in Thorpe-Ambrose vorfallen sollte, sich still zu verhalten, bis er zuerst meinen Rath eingeholt, und daß ich endlich als Grund, warum er in dieser Angelegenheit wie in allen andern streng nach meinen Instructionen gehandelt habe, nur den angeben könne, daß Mr. Bashwood mir und meinen Interessen blind ergeben sei.

Die Augen des Doktors sahen mich unter seiner Brille hervor mißtrauisch an.

»Worin«, fragte er, »liegt das Geheimniß dieser blinden Hingebung Mr. Bashwoods an Ihre Interessen?»

Aus Mitleiden mit Bashwood, nicht mit mir zögerte ich einen Augenblick. »Wenn Sie es denn wissen wollen«, antwortete ich, »Mr. Bashwood ist in mich verliebt.«

»Ach, ach!« rief der Doctor mit einer Miene der Erleichterung aus. »Jetzt fange ich an zu begreifen. Ist er ein junger Mann?«

»Ein alter.«

Der Doctor warf sich in seinen Stuhl zurück und kicherte leise. »Um« so besser!« sagte er. »Das ist ganz der Mann, den wir brauchen. Wer wäre so gegeeignet wie Mr. Armadale’s Intendanz ihn bei seiner Rückkunft auf dem Bahnhofe zu empfangen, und wer besser im Stande, Mr. Bashwood auf die gehörige Art zu beeinflussen, als der reizende Gegenstand von Mr. Bashwood’s Bewunderung?«

Daß Bashwood der rechte Mann war, um den Plan des Doctors zu fördern, und daß mein Einfluß ihn dazu vermögen würde, darüber konnte kein Zweifel obwalten. Hierin lag die Schwierigkeit nicht, sie lag in jener unbeantwortet gebliebenen Frage, ich dem Doctor vor einer Minute vorgelegt hatte. Ich stellte sie ihm von neuem.

»Gesetzt auch, Mr. Armadale’s Intendant findet seinen Herrn auf dem Bahnhofe«, sagte ich, »darf ich noch einmal fragen, wie Mr. Amadale überredet werden soll, hierher zu kommen?«

»Halten Sie mich nicht für ungalant«, versetzte der Doctor in der artigsten Manier von der Welt, »wenn ich meinerseits frage, wie können die Männer zu neun Zehnteln zu ihren thörichtsten Handlungen vermocht werden? Durch Ihr reizendes Geschlecht. Die schwache Seite jedes Mannes ist seine weibliche Seite. Wir haben nur diese weibliche Seite Mr. Amadale’s ausfindig zu machen, ihn sanft daran zu kitzeln und ihn an seidener Schnur auf unsern Weg zu leiten. Ich sehe hier«, fuhr er fort, während er Armadale’s Brief aufmachte, »eine Anspielung auf eine junge Dame. Das erscheint mir vielversprechend. Wo ist das an Miß Milroy gerichtete Billet, von dem Mr. Armadale spricht ?«

Anstatt ihm zu antworten, sprang ich in plötzlicher Erregung auf. Im Augenblicke, wo er Miß Milroy’s Namen nannte, kam mir Alles, was ich von Bashwood über Miß Milroy’s Krankheit und die Ursache der letzteren gehört hatte, auf einmal wieder ins Gedächtniß. So deutlich, wie ich den Doctor an der andern Seite des Tisches mir gegenüber sitzen und seine Verwunderung über die plötzlich in mir vorgehende Veränderung sah, ebenso deutlich sah ich jetzt das Mittel vor mir, um Armadale in das Sanatorium locken zu können. Welch eine Wollust war es, daß endlich Miß Milroy meinen Zwecken dienstbar zu machen vermochte!

»Lassen wir das Billet!« sagte ich. »Um alle Zufälligkeiten zu vermeiden, habe ich’s verbrannt. Ich kann Ihnen Alles und mehr sagen, als was Sie aus dem Billet ersehen haben würden. Miß Milroy endet alle Schwierigkeiten! Sie ist insgeheim mit ihm verlobt, hat die falsche Kunde von seinem Tode vernommen und ist seitdem ernstlich krank in Thorpe-Ambrose gewesen. Wenn ihn Bashwood auf dem Bahnhofe trifft, so ist sicher feine allererste Frage ——«

»Ich sehe es!« fiel der Doctor rasch ein. »Mr. Bashwood hat nichts weiter zu thun, als der Wahrheit ein ganz klein wenig Dichtung zuzusetzen. Wenn er seinem Herrn sagt, daß die falsche Nachricht bis zu Miß Milroy gedrungen ist, so braucht er nur hinzuzufügen, daß der Schlag ihren Kopf angegriffen hat und daß sie sich unter ärztlicher Pflege hier befindet. Vortrefflich! Vortrefflich! So rasch, wie ihn nur der rascheste Droschkengaul von London hierher bringen kann, werden wir ihn in unserm Sanatorium haben. Und bedenken Sie, keine Gefahr, nicht die Nothwendigkeit, uns andern Leuten anvertrauen zu müssen! Das Sanatorium ist kein Irrenhaus, kein concessionirtes Etablissement und keine ärztlichen Atteste sind erforderlich! Meine verehrte Dame, ich gratuliere Ihnen, ich gratuliere mir selbst. Gestatten Sie mir, Ihnen das Eisenbahncursbuch mit meinen besten Empfehlungen für Mr. Bashwood zu übergeben. Aus weiterer Rücksicht für ihn habe ich ihm schon die richtige Seite darin eingeknickt.«

Es fiel mir ein, daß ich Bashwood schon sehr lange hatte auf mich warten lassen. Ich nahm das Buch und wünschte dem Doctor ohne weitere Ceremonie guten Abend. Als er mir höflich die Thür aufmachte, kam er, ohne die geringste Nothwendigkeit und ohne daß ich meinerseits nur durch ein Wort dazu Anlaß gegeben hatte, wieder auf den Ausbruch tugendhafter Entrüstung, der ihm zu Anfang unserer Unterredung entschlüpft war.

»Hoffentlich«, sagte er, »werden Sie meinen gänzlichen Mangel an Takt und Verständniß gütig vergessen und vergeben, den ich —— kurz den ich mir zu Schulden kommen ließ, als ich die Fliege fing. Ich erröthe, wahrhaftig, ich erröthe förmlich über meine eigene Dummheit, den kleinen Scherz einer Dame buchstäblich zu nehmen! Gewaltthat in meinem Sanatorium!« rief der Doctor aus, mich von neuem mit seinen Blicken fixierend, »Gewaltthat in unserm aufgeklärten Jahrhundert! Hat es je so etwas Lächerliches gegeben? Nehmen Sie den Mantel fest um, ehe Sie hinausgehen —— es ist so kalt und rauh! Soll ich Sie begleiten? Soll ich Ihnen meinen Diener mitgeben? Ach, Sie sind immer selbstständig gewesen, immer Ihr eigener Schutz! Soll ich morgen früh bei Ihnen vorkommen und hören, was Sie mit Mr. Bashwood ausgemacht haben?«

»Ja«, sagte ich und machte mich endlich von ihm los. Auf meinem Zimmer wartete der ältliche Herr, wie das Dienstmädchen sagte, noch immer ruhig auf mich.

Viel Worte über das zu verschwenden, was zwischen mir und Bashwood vorging, habe ich entweder den Muth nicht oder die Geduld, ich weiß nicht, welches von beiden. Es war so leicht, so verächtlich leicht, die Fäden an der armen alten Puppe zu ziehen, wie man nur wollte! Ich stieß auf keine der Schwierigkeiten, auf die ich bei einem jüngeren oder einem vor Verliebtheit minder blinden Mann gestoßen sein würde. Ihm die Anspielungen auf Miß Milroy, die ihn natürlich verdutzt hatte, zu erklären, das überließ ich einer späteren Zeit, ich gab mir nicht einmal die Mühe, einen plausiblen Grund zu erfinden, warum er Armadale auf dem Bahnhofe ablauern und ihn durch eine Kriegslist in des Doctors Sanatorium locken sollte. Alles, was ich zu thun für nothwendig erachtete, war, daß ich ihn auf das verwies, was ich ihm bei meiner Ankunft geschrieben und was ich ihm nachmals gesagt hatte, als er im Hotel erschienen war, meinen Brief persönlich zu beantworten.

»Daß meine Ehe keine glückliche gewesen ist«, sprach Ich, »wissen Sie schon. Machen Sie sich hieraus selbst Ihren Schluß und drängen Sie mich nicht, Ihnen zu sagen, ob mir die Kunde von Armadale’s Errettung aus der See so willkommen ist, wie sie von Rechtswegen seiner Gattin sein sollte!« Das genügte, sein altes, welkes Gesicht in Glut zu setzen und seine welken alten Hoffnungen neu zu beleben. Ich brauchte nur hinzuzusetzen, »Wenn Sie thun wollen, was ich von Ihnen verlange, einerlei, wie unbegreiflich und mysteriös, Ihnen mein Begehren erscheinen mag, und wenn, meinen Versicherungen glauben, daß Sie selbst Gefahr laufen und die rechte Erklärung zur rechten Zeit erhalten werden, dann werden Sie sich einen solchen Anspruch auf meine Dankbarkeit und Rücksicht erworben haben, wie ihn noch nie ein Mann auf Erden hatte.« Nur diese Worte hatte ich zu sagen und sie mit einem Blicke und einem verstohlenen Händedruck zu begleiten, und er lag mir zu Füßen, blindlings bereit, mir zu willfahren. Wüßte er, woran ich selbst dachte —— doch das macht nichts aus, er wußte eben nichts.

Schon sind Stunden vergangen, seit ich ihn mit den nöthigen Verhaltungsmaßregeln, mit dem Cursbuche und mit seinem Gelöbniß des Stillschweigens nach dem nahe dem Bahnhofe gelegenen Hotel geschickt habe, wo er warten soll, bis Armadale auf dem Perron erscheint. Alle Aufregung von diesem Abend ist verschwunden und das dumpfe, beklemmende Gefühl beherrscht mich wieder. Erschöpft sich meine Energie, gerade wo ich sie am nöthigsten brauche? Das möchte ich wissen. Oder will mich eine Ahnung Von kommendem Unheil beschleichen, das ich noch nicht recht begreife?

Ich wäre in der Stimmung, über solchen Gedanken und Aufzeichnungen noch stundenlang zu sitzen, wenn es nur mein Tagebuch zulassen wollte. Allein meine Feder ist so fleißig gewesen, daß das Ende des Buchs da ist. Ich bin am letzten freien Plätzchen der letzten Seite angelangt, und ich mag nun wollen oder nicht, diesmal muß ich das Buch für immer zumachen, wenn ich’s heute Abend schließe.

Fahre wohl, du mein alter Freund und Genosse an so manchem elenden Tage! Ich besitze sonst nichts, was ich lieben könnte, es scheint mir daher fast, als wenn ich dich unvernünftigerweise lieb hätte.

Wie thöricht ich bin!«


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