Deutsche Wilkie Collins Fanpage - Namenlos - Zehntes Buch - Zwischenscene in Briefen - V. Mr. Pendril an Miss Garth
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Namenlos



V.

Mr. Pendril an Miss Garth.

Searle-Street, den 6. November.

Liebe Miss Garth!

Ich schicke Ihnen Mrs. Noël Vanstone’s Brief zurück. Ich kann mir Ihre inneren Vorwürfe leicht denken ob des Tones, in dem er geschrieben ist, und Ihren Kummer über die Art und Weise, wie dies unglückliche Weib das Gespräch gedeutet hat, das es in Ihrer Wohnung mit angehört hat. Ich kann, ehrlich gesagt, nicht etwa beklagen, was vorgefallen ist; Meine Meinung hat sich seit der Zeit von Combe-Raven nimmer geändert. Ich halte Mrs. Noël Vanstone für eine der rücksichtslosesten verwegensten und verkehrtesten Frauen unter der Sonne, und alle Umstände, welche sie ihrer Schwester entfremden, heiße ich eben um ihrer Schwester willen einfach willkommen.

Es kann keinen Augenblick zweifelhaft sein, welches Verfahren Sie in dieser Sache zu befolgen haben. Sogar Mrs. Noël Vanstone erkennt es ihrerseits als angemessen an, ihrer Schwester zwecklosen und unnöthigen Kummer zu ersparen. Auf jeden Fall halten Sie ja Miss Vanstone in Unkenntniß über den Besuch zu Kensington und den Brief, der darauf erfolgt ist. Es wäre nicht nur unklug, sondern sogar geradezu grausam, sie davon in Kenntniß zu setzen. Wenn wir ein Mittel anzwenden oder auch nur eine Hoffnung zu bieten hätten, so würden wir einiges Bedenken fühlen können, unser Geheimniß zu verschweigen. Aber es gibt weder Mittel noch Hoffnung. Mrs. Noël Vanstone ist vollkommen berechtigt hinsichtlich der Ansicht, die sie von ihrer Lage hat. Weder Sie noch ich können das geringste Recht geltend machen, ihre Handlungen maßgebend zu beeinflussen.

Ich habe bereits die nöthigen Maßregeln getroffen, um unsere unnöthigen Nachforschungen abzubrechen. In wenigen Tagen werde ich an Miss Vanstone schreiben und mein Bestes thun, um ihr Gemüth in Absicht ihrer Schwester zu beruhigen. Wenn ich keinen hinreichenden Grund finden sollte, so wird es besser sein, sie denkt, daß wir nichts entdeckt haben, als daß sie die Wahrheit erfährt.

Betrachten Sie mich immerdar als

Ihro ganz ergebenen

William Pendril.


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